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	<title>Anarchie 3.0 &#187; Herrschaftsfreie Institutionen</title>
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	<description>Warum das anarchische Organisationsprinzip erfolgreich ist</description>
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		<title>Anarchism Reloaded oder Anarchy Alive?</title>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 09:33:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchie 3.0]]></category>
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		<description><![CDATA[„Hier und Jetzt!“ will ein anarchistisches Buch über Anarchismus sein, und das Hauptanliegen seines Autors ist es, einen Beitrag zur anarchistischen politischen Theorie zu leisten. Die anarchistische politische Theorie, auf die sich Gordon bezieht, um sich dem neuen „Anarchismus“ anzunähern, hat ihre Wurzeln überwiegend in der angloamerikanischen anarchistischen Bewegung und ihrer Literatur. Gleichzeitig fließen in die Studie, seine Erfahrungen ein, die er in der Bewegung der radikalen Globalisierungskritiker in Europa sammelte, was zu einem Brückenschlag  zwischen angloamerikanischer Theoriediskussion und kontinentaleuropäischem Aktionsanarchismus führt.  Dabei wird Manches anders als hierzulande und einiges sogar neu buchstabiert.
In seiner Studie untersucht Gordon die Entwicklung anarchistischer Gruppen, Aktionen und Ideen der letzten Jahre. Er versucht dabei aufzuzeigen, was eine Theorie, die auf der Praxis aufbaut, für die zentralen Debatten und Problemstellungen leisten kann, die die Bewegungen heute umtreiben. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="text-decoration: underline;"><strong>Buchbesprechung:</strong></span></p>
<blockquote><div class="img size-medium  wp-image-246  alignright" style="width:225px;">
	<a href="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/05/Gordon_Uri_SW.jpg"><img src="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/05/Gordon_Uri_SW-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>
	<div>Uri Gordon, der Autor von &quot;Hier und Jetzt. Anarchistische Praxis und Theorie&quot; (2010)</div>
</div><em>„Die Proteste gegen den Weltwährungsfonds und die Weltbank in Prag lagen gerade hinter uns, die frische antikapitalistische Brise war überall spürbar, und ich war begierig, dabei zu sein. Ich hatte in Israel an Friedens- und Umwelt-Aktionen teilgenommen und Marx, Marcuse und Kropotkin gelesen. Und nun ging ich zu einem Treffen mit Aktivistinnen und Aktivisten, die aus Prag zurückgekehrt waren. Wenige Wochen später organisierten wir eine Demo vor einem Vorlesungssaal in Oxford, wo der ehemalige Chef des IWF, Michel Camdessus, geehrt wurde. Bald war ich mehr mit Aktivismus als mit Studieren beschäftigt. Ich beteiligte mich immer intensiver an alternativen Globalisierungsnetzwerken und an dem, was Aktivistinnen und Aktivisten verächtlich als »Gipfel-Hopping« bezeichnen. Ich wurde in Nizza mit Tränengas traktiert, in London eingekesselt und entkam in Genua nur knapp einer ziemlich üblen Prügelei. Nach dem 11. September 2001 entstanden die Antikriegsbewegungen, und allmählich grenzten sich die Reformer immer deutlicher von den Revolutionären ab. Zu dieser Zeit etwa wurde mir auch klar, dass ich mein Studium keineswegs vernachlässigte. Ich konnte meinen Aktivismus einfach als Feldstudien deklarieren und meine akademische Arbeit so ausrichten, dass sie für Aktivistinnen und Aktivisten nützlich sein würde. Dabei ist dieses Buch herausgekommen.“</em></p></blockquote>
<p>So beschreibt der israelische Anarchist Uri Gordon die „Geburtsstunde“ seines 2008 veröffentlichten Buches <em>„Anarchy Alive! Anti-authoritarian Politics from Practice to Theory“,</em> das 2010 in der Edition Nautilus in deutscher Übersetzung unter dem Titel: <em>„Hier und Jetzt. Anarchistische Praxis und Theorie“ </em>erschienen ist. Gordon war im Oktober 2000 nach Europa gekommen, um in Oxford seine Dissertation ursprünglich über Umweltethik zu schreiben. Daraus wurde erst einmal nichts aus den eingangs von ihm selbst erwähnten Gründen.  Seine in der Bewegung der radikalen „Globalisierungskritiker“ gemachten Erfahrungen hat Gordon in seinem Buch über die zeitgenössische anarchistische Politik verarbeitet.</p>
<p><span id="more-239"></span>Uri Gordon zufolge ist in den vergangenen zehn Jahren eine neue globale anarchistische Bewegung entstanden, wie es sie seit den 1930er Jahren nicht mehr gegeben hat:</p>
<blockquote><p><em>„Von antikapitalistischen Zentren und ökofeministischen Höfen bis zu Basisorganisationen auf Gemeinde-Ebene, Blockaden internationaler Gipfeltreffen, alltäglichen direkten Aktionen und einer enormen Menge an Publikationen und Websites – Anarchie lebt im Herzen der globalen Bewegung, die erklärt: »Eine andere Welt ist möglich.« Das Ende der Geschichte, das 1989 ausgerufen wurde, hat sich keineswegs eingestellt. Vielmehr sind die Verbreitung und Erweiterung anarchistisch inspirierter Kämpfe und Politik  – weitgehend in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern – seither eine bedeutende  Antriebskraft hinter dem Widerstand gegen den Neoliberalismus und den permanenten Krieg. Das Wort selber kann Grund zum Stolz sein oder auch eine unnötige Belastung oder ein vernachlässigbares Accessoire. Positive Umschreibungen gibt es ohne Ende: anti-autoritär, autonom, horizontal … aber wenn du sie siehst, erkennst du sie sofort – Anarchie ist überall.“</em></p></blockquote>
<p><em>„Hier und Jetzt!“</em> will ein anarchistisches Buch über Anarchismus sein, und das Hauptanliegen seines Autors ist es, einen Beitrag zur anarchistischen politischen Theorie zu leisten. Die anarchistische politische Theorie, auf die sich Gordon bezieht, um sich dem neuen „Anarchismus“ anzunähern, hat ihre Wurzeln überwiegend in der angloamerikanischen anarchistischen Bewegung und ihrer Literatur. Gleichzeitig fließen in die Studie, seine Erfahrungen ein, die er in der Bewegung der radikalen Globalisierungskritiker in Europa sammelte, was zu einem Brückenschlag  zwischen angloamerikanischer Theoriediskussion und kontinentaleuropäischem Aktionsanarchismus führt.  Dabei wird Manches anders als hierzulande und einiges sogar neu buchstabiert.</p>
<p>In seiner Studie untersucht Gordon die Entwicklung anarchistischer Gruppen, Aktionen und Ideen der letzten Jahre. Er versucht dabei aufzuzeigen, was eine Theorie, die auf der Praxis aufbaut, für die zentralen Debatten und Problemstellungen leisten kann, die die Bewegungen heute umtreiben. Unter „Anarchismus“, so wie er von Gordon definiert wird, ist mindestens Dreierlei zu verstehen:</p>
<blockquote><p>„<em>Erstens ist Anarchismus eine zeitgenössische soziale Bewegung, die sich aus dichten Netzwerken vieler Einzelner, von Bezugsgruppen und Kollektiven zusammensetzt. Sie kommunizieren intensiv, teilweise weltweit und stimmen sich bei einer Vielzahl direkter Aktionen und andauernder Projekte miteinander ab. Die durch und durch dezentrale und netzwerkartige Struktur der anarchistischen Bewegung scheint manchmal verwirrend – all die Aktivitäten entfalten sich gewöhnlich ohne formelle Mitgliedschaften oder feste organisatorische Abgrenzungen.</em></p>
<p><em>Zweitens ist Anarchismus die Bezeichnung für eine komplexe politische Kultur, die diese Netzwerke inspiriert und mit Inhalt füllt – wobei der Begriff hier eine Gruppe gemeinsamer Orientierungen bezeichnet, die das politische Handeln und das Reden darüber sowie auch das tägliche Leben ausrichten. Kennzeichnend für diese Kultur sind:</em></p>
<ul>
<li><em>ein gemeinsames Repertoire politischer Aktionsformen auf der Grundlage der direkten Aktion, des Aufbaus von Alternativen »von unten«, von Kontakten und Konfrontation auf lokaler Ebene;</em></li>
<li><em>gemeinsame Organisationsformen: dezentralisiert, horizontal und konsensorientiert;</em></li>
<li><em>eine gemeinsame Kultur in so unterschiedlichen Bereichen wie Kunst, Musik, Kleidung und Essgewohnheiten, häufig angelehnt an westliche Subkulturen;</em></li>
<li><em>eine gemeinsame politische Sprache, der es auf Widerstand gegen den Kapitalismus, den Staat, das Patriarchat und allgemein gegen Hierarchien und Dominanz ankommt.</em></li>
</ul>
<p><em>Die anarchistische politische Sprache transportiert selber eine dritte Bedeutung von Anarchismus – Anarchismus als Sammlung von Ideen. Anarchistische Ideen sind theoretisch ausgefeilt und befinden sich zugleich im Fluss unablässiger Weiterentwicklung. Der Inhalt zentraler anarchistischer Gedanken ändert sich von einer Generation zur nächsten und ist nur vor dem Hintergrund der Bewegungen und Kulturen zu verstehen, in denen und durch die sie ausgedrückt werden.“</em></p></blockquote>
<p>Diese von Uri Gordon dergestalt definierte neue anarchistische Bewegung hat erkennbar geringe Berührungspunkte mit dem traditionellen Anarchismus. Gordon meint sogar Anzeichen eines Paradigmenwechsel des Anarchismus zu erkennen, der <em>„heutzutage durch und durch heterodox ist, aktionsbezogen und darauf aus, zu gewinnen“</em>.</p>
<p>Der neue Anarchismus, wie ihn Gordon definiert, ist ein theoretisches Konstrukt. Denn die Bewegung, die der Autor als die neue anarchistische Bewegung untersucht und beschreibt, versteht sich von ihrem Selbstverständnis her wohl eher selten als „anarchistisch“. Der Begriff „Anarchismus“ dient Gordon als ein theoretischer Sammelbegriff, unter dem die unterschiedlichsten Einzelbewegungen, wie z.B. die Ökologiebewegung, der Feminismus, die Schwulenbewegung, die Bewegung für Tierrechte, der „Schwarze Block“ und nicht zuletzt auch die formellen und informellen Gruppen der erklärten Anarchisten  und Anarchistinnen als eine gemeinsame soziale Bewegung berücksichtigt werden. Aber genauso gut könnte man diese Bewegung unter dem Sammelbegriff der „Neuen Sozialen Bewegungen“ verbuchen. Eine Zeitlang wurde hierzulande diese ideologisch und von ihren Aktionsformen her heterogene Protestbewegung auch als „Alternativbewegung“ bezeichnet.  Das sind Schubladenbegriffe der Wissenschaft, mit denen in der realen Praxis der sozialen Bewegungen nur selten jemand etwas anfangen kann.</p>
<p>Unbestritten bleibt jedoch, dass es in dieser bunten rebellischen neuen sozialen  Bewegung, die sich seit einigen Jahrzehnten als Alternative zu den bestehenden  Herrschaftssystemen gebildet und artikuliert hat, ein diffuses anarchistisches Milieu gibt. Ich würde es allerdings eher als ein <em>anarchisches </em>Milieu bezeichnen. Denn wie Gordon selbst auch einräumt, orientieren sich nur die Wenigsten in dieser Bewegung explizit am Anarchismus welcher Spielart auch immer. Was Gordon in seiner Studie beschreibt, ist eher die Kultur einer intuitiv gelebten Anarchie und weniger eine bewusst reflektierte ideologische Einstellung, wie sie etwa von den erklärten Anarchisten vertreten wird.  Das ändert nichts am Phänomen der Rückkehr einer Kultur der Anarchie , für das sich auch in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen Belege finden lassen. Die Differenzierung zwischen <em>anarchisch</em> und <em>anarchistisch</em> hilft jedoch politische Fehlinterpretationen zu vermeiden.</p>
<p>Die Untersuchung dieses anarchischen Milieus, das sich zu einem globalen Phänomen der unterschiedlichsten widerständischen Bewegungen entwickelt hat, macht die eigentliche Stärke von Gordons Studie aus. Aus einer quasi  anthropologischen Perspektive heraus (tlw. auch in expliziter Anlehnung an die Anthropologen David Graeber und Jeff Juris) versucht Gordon aufzuzeigen, „was die Bewegung bewegt“.  Dabei berücksichtigt er die Perspektiven, Dilemmata und Kontroversen der neuen „anarchistischen“ Bewegung, die erst innerhalb der real stattfindenden antiautoritären Kämpfe für gesellschaftliche Veränderungen zutage treten. Eingehend beschäftigt sich Gordon mit der Frage der internen Hierarchien und der Macht innerhalb der Netzwerke dieser Bewegung und verfolgt daran anschließend die Frage nach der Definition, der Rechtfertigung und der Effizienz politisch begründeter Gewalt. Des Weiteren berücksichtigt er die Kontroverse Technologie versus Moderne innerhalb der Bewegung.</p>
<p>Im abschließenden Kapitel, das für mich zu dem Spannendsten seines Buches gehört,  setzt sich Gordon mit dem Verhältnis des Anarchismus zu den nationalen Befreiungsbewegungen auseinander. Diese für Anarchisten in vielerlei Hinsicht heikle Problematik erläutert er am besonderen Fall Palästina/Israel. Gordon berichtet dabei aus erster Hand von seinen Erfahrungen in einer Gruppe israelischer Aktivisten, die sich bemüht, die Barrieren zwischen israelischen und palästinensischen Gebieten abzubauen. Seit Beginn der zweiten Intifada konzentrieren sich die Aktivitäten dieser Gruppe auf die Besatzung in Palästina und wendeten sich insbesondere gegen den Bau der Apartheids-Mauer, was auch zu ihrer späteren  Namensgebung „Anarchists against the Wall“ führte. Unter den Palästinensern gibt es einige verwandte Seelen und viele Verbündete, aber keine  anarchistische Bewegung. Doch hat sich in den letzten Jahren eine Allianz zwischen palästinensischen Gemeinden, israelischen und internationalen Aktivisten gebildet.</p>
<p>Natürlich sind in einem Kontext wie dem israelisch-palästinensischen die Aussichten anarchistischer Politik besonders trübe. Jahrzehnte der Besatzung und bewaffneten Auseinandersetzungen haben eine schwer lastende Hypothek der Angst und des Misstrauens hinterlassen. Man versteht Gordon, wenn er schreibt: <em>„Mitten in all dem täglichen Schrecken von Tod und Demütigung, gegenseitiger Unkenntnis, Angst und Hass würde man gerne etwas Positives über die Aussichten für einen »echten Frieden« in der Region sagen können.“ </em>Uri Gordon versucht eine solche positive Perspektive zu entwickeln, indem er für den jüdisch-palästinensischen Konflikt eine „Kein-Staat-Lösung „ aufzeigt, die als jüdisch-palästinensische Graswurzelbewegung das Gemeinsame der Menschen in der Region beansprucht  und sich in Richtung direkter Demokratie, einer partizipativen Ökonomie und echter Autonomie für die in ihr lebenden Menschen bewegt.</p>
<p><em>„Hier und Jetzt!“</em> ist ein Buch, mit dem ich in diversen Aspekten nicht übereinstimme.  Dennoch möchte ich es zur Lektüre empfehlen. Es ist ein anregendes Buch mit frischen Ideen, das geeignet ist, die Theorie und die Praxis des Anarchismus einmal grundsätzlich in Frage zu stellen und neu zu überdenken.</p>
<p>Jochen Schmück,<br />
Potsdam im Mai 2010</p>
<hr /><a href="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/05/9783894017248_Gordon_Hier_und_Jetzt_BIG1-e1274954155256.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-251" src="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/05/9783894017248_Gordon_Hier_und_Jetzt_BIG1-e1274954155256.jpg" alt="" width="150" height="249" /></a>Die Daten zum Buch:<strong> </strong></p>
<p><strong>Hier u</strong><strong>nd Jetzt. Anarchistische Praxis und Theorie</strong>. Von <strong>Uri Gordon</strong>. Aus dem Englischen übersetzt von Sophia Deeg (Original: Anarchy Alive! Anti-Authoritarian Politics from Practise to Theory, London: Pluto Press, 2088). Deutsche Erstausgabe. Erschienen im Februar 2010 in der Edition Nautilus, Hamburg. Broschur, 256 Seiten. ISBN 978-3-89401-724-8, 18,00 €.</p>
<p>Der Titel ist direkt erhältlich bei <a href="http://www.alibro.de/product_info.php/info/p5163_Hier-und-Jetzt.html"><strong>aLibro</strong> &#8211; der Fachbuchhandlung für Anarchie und Anarchismus</a></p>
<hr /><strong>Interview (engl.) mit Uri Gordon</strong> über sein Buch &#8220;Hier und Jetzt&#8221; und die Gruppe israelischer    Friedensaktivisten  &#8220;Anarchists against the Wall&#8221; (The Struggle, Sept.  2009)<br />
<p><a href="http://www.anarchie-drei-null.de/anarchism-reloaded-oder-anarchy-alive/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p><br />
<hr />
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		<title>Let&#8217;s Wiki!</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Feb 2009 22:29:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Erfolgsgeschichte der Wikipedia zeigt, welch enormes sozialpolitisches Potential in den kollaborativen Medien steckt. Aber die Wikipedia repräsentiert nicht das Wiki-Prinzip an sich, sondern sie ist nur eine von vielen möglichen Interpretationen. Wikis sind offene Systeme, deren Regeln von denen festgelegt werden, die sie nutzen. Nach meiner Erfahrung funktionieren Wikis immer dann gut, wenn sie von einer kleinen und engagierten Community getragen werden, deren Mitglieder sich persönlich kennen, und die einen Konsens über den Umgang untereinander erlangt haben. Freiheit kann nur dort existierten, wo sie vom Geist der persönlichen Verantwortung getragen wird.

Das Wiki-Prinzip wird unsere Welt verändern. Und dies gilt nicht nur für die Art und Weise, wie wir Informationen sammeln und uns mit anderen abstimmen. Wikis geben uns die Möglichkeit, neue praktische Erfahrungen in der sozialen Selbstorganisation zu machen, die auch außerhalb des Cyberspace Sinn machen. Nutzen wir diese Chance: Let's Wiki!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Web 2.0 wird zumeist mit „Mitmach-Internet&#8221; übersetzt. Das ist nicht falsch. Aber diese Interpretation des Web 2.0 greift beim Wiki-Prinzip zu kurz. Denn Wikis sind weit mehr als bloße Mitmach-Einrichtungen. Ihr eigentliches Potential ist es, dass sie Freiräume für die selbstorganisierte Zusammenarbeit von Menschen bieten. Wikis sind Labore, in denen neue Formen der Organisation von Arbeit und Wissen erprobt und gestaltet werden.</strong></p>
<div class="img size-medium wp-image-49 alignright" style="width:300px;">
	<a href="http://anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2009/02/flickrcom_photos_zordroyd_369530358_small.jpg"><img src="http://anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2009/02/flickrcom_photos_zordroyd_369530358_small-300x225.jpg" alt="Der Wiki-Wiki-Schnellbus in Honolulu" width="300" height="225" /></a>
	<div>Der Wiki-Wiki-Schnellbus in Honolulu und Namensgeber des Wiki-Prinzips</div>
</div>
<p>Das erste echte Wiki, das WikiWikiWeb, wurde am 25. März 1995 von dem US-amerikanischen Softwareentwickler Ward Cunningham ins Internet gestellt. Cunningham benannte das Konzept der„schnellen&#8221; Webseiten, die von jedem Besucher verändert werden können, nach dem Schnellbus „Wiki-Wiki&#8221; auf dem hawaiianischen Flughafen Honululu.</p>
<p><span id="more-29"></span>Der Erfolg des Wiki-Prinzips ist eng mit dem Erfolg der weltweiten Open-Source-Software-Bewegung verbunden. Schon bald nach der Inbetriebnahme des WikiWikiWeb entstanden erste Klone der Software und Wikis wurden zu einem populären Online-Tool in der Szene rund um die Freie Software. Gerade für Projekte, die auf der Arbeit von Freiwilligen basierten und nicht von oben her gemanagt wurden, erwiesen sich Wikis als ein ideales Tool zur Planung und Steuerung des gemeinschaftlichen Vorhabens.</p>
<p>Den Durchbruch zu einem Massenmedium erlebte das Wiki-Konzept durch die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Im Januar 2000 hatten die beiden US-Amerikaner Larry Sanger und Jimmy Wales die Nupedia, das erste Projekt zum Aufbau einer Online-Enzyklopädie, gestartet. Doch diesem Projekt war zunächst kein Erfolg beschieden, da der Prozess der Artikelproduktion sehr bürokratisch angelegt war. Die Artikel wurden von motivierten und fachkompetenten Freiwilligen verfasst, deren Texte vor Veröffentlichung einen komplizierten Prozess von Faktenprüfung, Lektorat und redaktioneller Finalisierung überstehen mussten. Dadurch hatten die Nupedia-Artikel zwar eine sehr hohe Qualität, aber das Projekt selbst wuchs sehr langsam.</p>
<p>Im Januar 2001 machte Larry Sanger den Vorschlag, ein Wiki nach Art des WikiWikiWeb als eine Art digitaler „Schmierzettel&#8221; für die Nupedia-Autoren einzurichten. Die unter der Domain wikipedia.com ins Internet gestellte Wiki-Plattform zog zur Überraschung der Nupedia-Redaktion viele neue Autoren an, die gar kein Interesse an der Nupedia selbst hatten. Das Projekt entwickelte eine starke Eigendynamik, die schließlich zur Einstellung der Nupedia und zum legendären Erfolg der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia führte. Bis Ende des Jahres 2001 verfügte die Wikipedia bereits über 20.000 Artikel und erschien in 18 Sprachen. Inzwischen<a name="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> erscheint die Wikipedia in 260 Sprachversionen<a name="_ftnref2" href="#_ftn2">[2]</a> und allein die englischsprachige Ausgabe beinhaltet über 2.700.000 Artikel (im Vergleich dazu verfügt die Onlineversion der renommierten Encyclopædia Britannica z.Z. über 120.000 Artikel).</p>
<p>In den Folgejahren wurde eine Vielzahl neuer Webportale auf Wiki-Basis gegründet. Das Wiki-Konzept wurde an verschiedene Arten von Texten angepasst, um auch nicht-enzyklopädischen Inhalten gerecht zu werden. Als Schwesterprojekte der Wikipedia erschienen z.B. Wikinews, Wiktionary, Wikibooks, Wikisource, Wikiquote und Wikispecies. Inzwischen gibt es Wikis zu jedem nur denkbaren Thema: Angefangen von „<strong>A</strong>&#8221; wie <a href="http://www.ameisenwiki.de">Ameisenwiki.de</a>, das über die Biologie von Ameisen informiert, über das <a href="http://dadaweb.de">DadAWeb.de</a>, dem Portal der deutschsprachigen Anarchie- und Anarchismusforschung, die Wikipedia-Parodie <a href="http://kamelopedia.mormo.org">Kamelopedia</a>, die <a href="http://Podopedia.de">Podopedia.de</a>, die Enzyklopädie der medizinischen Fußpflege, bis hin zu „<strong>Z</strong>&#8220;, wie <a href="http://wiki.zum.de">ZUM-Wiki</a>, einer offenen Plattform für Lehrinhalte und Lernprozesse.</p>
<h3>Die regulierte Anarchie der Wikis</h3>
<p>Innerhalb der neuen webbasierten Medien ist das Wiki eine ideale Ergänzung zum Blog. Während das Blog (zumeist) die unbearbeitete, eigensinnige Stimme einer Einzelperson zum Ausdruck bringt, macht das Wiki als Medium eher für Gruppen Sinn. Die meisten Wikis sind Arbeitsgemeinschaften von Freiwilligen. Gemeinschaft basiert auf Vertrauen, und Vertrauen ist am ehesten vorhanden, wenn die Beteiligten einander kennen und für ihre Beiträge persönlich verantwortlich sind.</p>
<p>Natürlich sind in einem offenen System wie einem Wiki Konflikte der Benutzer wegen Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert. Dementsprechend haben in allen Wikis die Fragen der Konfliktlösung einen hohen Stellenwert. Mit den herkömmlichen Methoden der Konfliktlösung kommt man in einem Wiki nicht sehr weit. In einem Wiki gibt es eben keine zentrale Instanz, die durch ein Machtwort für „Ordnung&#8221; sorgen kann. Wikis sind im Prinzip dezentrale und nicht-hierarchische Einrichtungen. Es gibt zwar Administratoren und Sysops, die sich vor allem um die technische und inhaltlich-strukturelle Pflege des Wikis kümmern, die auch die Möglichkeit haben, Benutzer zu sperren. Aber eine Benutzer-Sperrung durch einen Administrator erfolgt erst dann, wenn der Konflikt nicht innerhalb der Autoren-Community selbst z.B. mit dem Mittel der Diskussion gelöst werden kann.</p>
<p>Rein technisch betrachtet ist das Wiki keine allzu originelle Erfindung. Das eigentliche Potential des Wikis liegt im sozialen Bereich. Das Wiki bringt Menschen dazu, sich Gedanken über Methoden der sozialen Selbstorganisation zu machen. Wikis sind deutlich mehr als bloße Mitmach-Einrichtungen nach Art der Freien Radios, die wie in Italien ab Mitte der 1970er Jahren mit dem Mittel des „offenen Mikrofons&#8221; versuchten, eine Gegenöffentlichkeit gegenüber den etablierten Medien zu schaffen. Wikis sind Medium und Organisationsplattform zugleich. Sie geben den Menschen die Möglichkeit, in freier Übereinstimmung kollektiv tätig zu werden und dabei über die Art und Weise ihrer Zusammenarbeit selbst zu entscheiden. Das macht Wikis zu einem sozialen Labor, in dem neue Formen der Organisation von Arbeit und Wissen erprobt und gestaltet werden können.</p>
<p>Wikis können durchaus als zeitgenössisches Beispiel für eine gelebte Anarchie (im Sinne von Ordnung ohne Herrschaft) betrachtet werden. Ähnlich wie die regulierten Anarchien unserer vorstaatlichen Vorfahren sind auch die Wiki-Communities unserer Tage auf die freie Übereinstimmung ihrer Mitglieder zur Einhaltung der gemeinschaftlich erarbeiteten Regeln angewiesen. Die meisten Web-Communities regeln den Umgang ihrer Mitglieder über eine sogenannte Netiquette (Kunstwort aus engl. <em>net</em> &#8211; Netz und <em>etiquette</em> &#8211; Etikette).  Dort, wo keine Zwangsmechanismen eines auf Befehl und Gehorsam basierenden Ordnungssystems existieren, wirkt der moralische Appell und die soziale Sanktion &#8211; und das zumeist sogar mit ganz beachtlichem Erfolg.</p>
<p>In Wikis, die keine Zugangsbeschränkung kennen und anonyme Beiträge ermöglichen, kommt es gelegentlich zu sogenannten „Edit-Wars&#8221; (wörtlich: Bearbeitungskriegen), wenn zwei oder mehrere Benutzer abwechselnd die Änderungen des jeweils anderen Benutzers rückgängig machen („revertieren&#8221;) oder überwiegend überschreiben, in der Hoffnung, dass der andere irgendwann aufgibt. Dieses Verhalten wird allgemein als asozial abgelehnt, und in den meisten Wikis gibt es Regeln, die dieses Verhalten verbieten und die streitenden Benutzer auf die Diskussionsseite verweisen.</p>
<p>Ein Dauerstreitthema ist in der Wikipedia die Frage der Neutralität von Artikeln. Um zu verhindern, dass Nutzer die Wikipedia für weltanschauliche oder politische Propaganda missbrauchen, wurde für alle Wikipedias die Regel des neutralen Standpunkts („neutral point of view&#8221;, NPOV) als verbindliches Prinzip eingeführt. Danach soll ein Artikel so geschrieben sein, dass möglichst viele Autoren ihm zustimmen können. Wenn zu einem Thema mehrere verschiedene Ansichten existieren, dann soll der Artikel diese fair beschreiben, aber nicht selbst Position beziehen. Artikel, deren Neutralität umstritten ist, werden mit einem Neutralitätsvermerk versehen. In der Praxis wird natürlich heftig darüber gestritten, was „allgemein anerkannt&#8221; ist, und welcher Standpunkt an welcher Stelle im Artikel, wenn überhaupt, erwähnt werden soll. Gerade bei kontroversen Themen ist die Einhaltung des neutralen Standpunktes häufig ein mühevoller sozialer Prozess von nicht enden wollenden Diskussionen, der nicht immer von Erfolg gekrönt ist.</p>
<p>Doch das Neutralitäts-Modell der Wikipedia ist nur eine Variante, das Wiki-Prinzip praktisch umzusetzen. Einen anderen Weg geht beispielsweise das ebenfalls auf einer Wiki-Plattform publizierte <a href="http://lexikon-der-anarchie.de">Lexikon der Anarchie</a>, das bewusst darauf verzichtet, unterschiedliche Standpunkte im Prozess einer kollektiven Konsensbildung miteinander in Einklang zu bringen. Vielmehr begegnet man dem Problem umstrittener Themen und Artikel dort wie folgt:</p>
<blockquote><p>„Was wir nicht haben möchten, ist den Streit um die &#8220;richtige Sicht&#8221; der Dinge innerhalb unserer Beiträge, wie das bei Public-Domain-Publikationen leider häufig der Fall ist. Wer eine andere Sicht hat, soll eben einen eigenen Beitrag zum Thema schreiben, ganz im Sinne der Devise: Zu jedem Beitrag eine/n AutorIn und zu jeden Thema so viele AutorInnen, wie es unterschiedliche Sichtweisen gibt. Das ist das Sympathische am Anarchismus: Wir müssen uns nicht auf die eine verbindliche Sicht der Dinge einigen. Denn die anarchistische Art, die Dinge zu sehen, ist die Perspektive der Vielfalt.&#8221;<a name="_ftnref3" href="#_ftn3">[3]</a></p></blockquote>
<p>Ähnlich wie bei der Wikipedia gibt es auch im Lexikon der Anarchie zu jedem Artikel eine Diskussionsseite, auf der sich die Debatte der unterschiedlichen Meinungen zum Thema entfalten kann.</p>
<div class="img size-medium wp-image-56 alignleft" style="width:300px;">
	<img src="http://anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2009/02/debatograph-300x298.png" alt="Der &quot;debatograph&quot;" width="300" height="298" />
	<div>Der &quot;debatograph&quot; und die aktuelle Diskussion über die Ursachen des Gaza-Konfliktes</div>
</div>
<p>Ganz ins Zentrum gestellt wird die Debatte der unterschiedlichen Meinungen und Standpunkte durch den (bislang nur in englischer Sprache existierenden) „Debattographen&#8221; (<a href="http://debategraph.org" target="_blank">debategraph.org</a>). Ziel dieses Debatten-Visualisierung-Tools auf Wiki-Basis ist es, die gegensätzlichen Argumente einer Debatte möglichst vollständig für die öffentliche Diskussion zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden die Argumente einer Debatte nicht nur immer wieder in Frage gestellt, sondern die Argumentation selbst gewinnt auch an Tiefe, was der Diskussionskultur zugute kommen soll.</p>
<p>Wikis sind offen für alle möglichen Ordnungsysteme. Selbst totalitäre Systeme sind vorstellbar. Die kreativsten Wikis sind aber mit Sicherheit diejenigen, deren Mitglieder ein Maximum an individueller Freiheit genießen und sich dabei ihrer persönlichen Verantwortung für die Gemeinschaft bewusst sind.<!--more--></p>
<h3>Weisheit der Massen oder Digitaler Maoismus?</h3>
<p>In der Wiki-Welt ist die Ansicht recht häufig verbreitet, dass es kaum ein Problem gibt, das nicht durch den kollektiven Prozess der Einflussnahme seiner Teilnehmer korrigiert werden kann. Dieses Vertrauen in die „Weisheit der Massen&#8221; oder in die &#8220;Schwarmintelligenz&#8221; geht bis hin zur Vision des Internets als einem „globalen Gehirn&#8221;, in dem jeder Mensch eine Nervenzelle ist. Vergleichbar mit einem Bienenschwarm oder einem Ameisennest würde das Kollektiv eine &#8220;höhere Intelligenz&#8221; hervorbringen, die ein Einzelner der Gruppe nie in dieser Qualität entwickeln könnte.</p>
<p>Gegen diese Auffassung, die mit dem Aufkommen des Web 2.0 selbst in Wissenschafts- und Wirtschaftskreisen zahlreiche Anhänger gefunden hat, regt sich mittlerweile vermehrt Widerspruch. Einer der prominenten Kritiker dieser „Schwarmgeist-Philosophie&#8221; ist ausgerechnet Larry Sanger, der seinerzeit die Idee zur Nutzung des Wiki-Prinzips für die Nupedia hatte und damit die entscheidenden Weichen für den Erfolg der Wikiedpia gestellt hat. In Opposition zur Wikipedia gründete Sanger 2006 das <a href="http://en.citizendium.org/">Citizendium</a> (the Citizens&#8217; Compendium = Bürgerkompendium), ein neues wiki-basiertes Enzyklopädie-Projekt, das sich eher an herkömmlichen editorialen Standards orientiert und in dem die Autoren mit ihren Realnamen publizieren. An der Wikipedia kritisierte Sanger vor allem deren mangelnde Zuverlässigkeit und den bisweilen recht rüden Umgang der Wikipedianer untereinander.</p>
<p>Zu einer grundsätzlich kritischen Einschätzung der „Schwarmintelligenz&#8221; kommt der Internet-Pionier Jaron Lanier in seinem 2006 veröffentlichten Aufsatz &#8220;Digitaler Maoismus&#8221;:</p>
<blockquote><p>„Es ist gut zu verstehen, was den Trugschluss des Kollektivismus für große Organisationen so attraktiv macht: Wenn es ein unfehlbares Grundprinzip gibt, müssen die Einzelnen keine Risiken eingehen und keine Verantwortung übernehmen. Das passt zu den enormen Unsicherheiten und der geradezu pathologischen Angst vor Verantwortung in unserer Zeit. Gleichzeitig müssen wir in Institutionen funktionieren, die keiner Führungskraft mehr verpflichtet sind. Jeder Einzelne, der Angst davor hat, innerhalb seiner Organisation das Falsche zu sagen, kann sich deswegen immer auf der sicheren Seite wähnen, solange er sich hinter einem Wiki oder ähnlichen Ritualen von Meta-Aggregaten verstecken kann.</p>
<p>Nun ist das Kollektiv nicht von Natur aus dumm. Weil die Höhe- und Tiefpunkte seiner Intelligenz nicht die gleichen sind wie bei Individuen, kann es sogar sehr wertvoll sein. (&#8230;) Das Kollektiv kann immer dann Klugheit beweisen, wenn es nicht die eigenen Fragestellungen definiert; wenn die Wertigkeit einer Frage mit einem schlichten Endergebnis, wie einem Zahlenwert festgelegt werden kann; und wenn das Informationssystem, welches das Kollektiv mit Fakten versorgt, einem System der Qualitätskontrolle unterliegt, das sich in einem hohen Maße auf Individuen stützt. Wenn nur eine dieser Vorgaben wegfällt, wird das Kollektiv unzuverlässig. Ein Individuum entwickelt dagegen ein Höchstmaß an Dummheit, wenn es mit umfangreichen Machtfunktionen ausgestattet und gleichzeitig von den Folgen seiner Handlungen abgeschirmt wird.&#8221;<a name="_ftnref4" href="#_ftn4">[4]</a></p></blockquote>
<p><strong> </strong></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Die Erfolgsgeschichte der Wikipedia zeigt, welch enormes sozialpolitisches Potential in den kollaborativen Medien steckt. Aber die Wikipedia repräsentiert nicht das Wiki-Prinzip an sich, sondern sie ist nur eine von vielen möglichen Interpretationen. Wikis sind offene Systeme, deren Regeln von denen festgelegt werden, die sie nutzen. Nach meiner Erfahrung funktionieren Wikis immer dann gut, wenn sie von einer kleinen und engagierten Community getragen werden, deren Mitglieder sich persönlich kennen, und die einen Konsens über den Umgang untereinander erlangt haben. Freiheit kann nur dort existierten, wo sie vom Geist der persönlichen Verantwortung getragen wird.</p>
<p>Das Wiki-Prinzip wird unsere Welt verändern. Und dies gilt nicht nur für die Art und Weise, wie wir Informationen sammeln und uns mit anderen abstimmen. Wikis geben uns die Möglichkeit, neue praktische Erfahrungen in der sozialen Selbstorganisation zu machen, die auch außerhalb des Cyberspace Sinn machen. Nutzen wir diese Chance: Let&#8217;s Wiki!</p>
<p>Jochen Schmück,<br />
Potsdam 7. Februar 2009<em><br />
</em></p>
<p>Dieser Beitrag wurde für das im März 2009 erscheinende Themenspecial &#8220;Web 2.0&#8243; der Zeitschrift<em> </em><a href="http://contraste.org">CONTASTE . Monatszeitung für Selbstorganisation</a><em> </em>verfasst.<em> </em></p>
<p><strong>Werblinks zum Thema</strong><em>:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uni-bamberg.de/kommunikation/news/wissenschaft/artikel/wikis-in-orgas/">Wiki nicht gleich Wikipedia</a>. Bamberger Forscher diskutierten Wikis in Organisationen (Uni-Bamberg News, 06.03.2009)</li>
</ul>
<hr size="1" /><a name="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> Alle in diesem Beitrag als aktuell bzw. als gegenwärtig bezeichneten Angaben stammen von Januar 2009.</p>
<p><a name="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite">deutschsprachige Wikipedia</a> wurde im März 2001 als erste weitere Sprachausgabe nach der englischsprachigen Ur-Wikipedia gegründet. Mit über 850.000 Artikeln ist sie heute nach der englischen die zweitgrößte Wikipedia-Ausgabe und damit vermutlich  auch das zweitgrößte Wiki der Welt.<br />
<a name="_ftn3" href="#_ftnref3">[3]</a> <a href="http://dadaweb.de/wiki/Lexikon_der_Anarchie_-_Projektbeschreibung">Projektbeschreibung des Lexikons der Anarchie</a> (Stand: 28.01.2009).<br />
<a name="_ftn4" href="#_ftnref4">[4]</a> Jaron Lanier: Digitaler Maoismus, Süddeutsche Zeitung, Nr.136, Freitag, den 16. Juni 2006, <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/422/405200/text/">Online-Version</a>.</p>
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		<title>Orchester ohne Dirigent</title>
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		<pubDate>Sun, 25 May 2008 15:12:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Herrschaftsfreie Institutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Managementmethoden]]></category>
		<category><![CDATA[Orpheus Chamber Orchestra]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Orpheus Chamber Orchestra in New York ist nicht nur Musikliebhabern, sondern auch Wirtschaftswissenschaftlern ein Begriff. In einem normalen Orchester gibt allein der Dirigent den Ton an. Die Kreativität der einzelnen Musiker wird nicht gebraucht, sie müssen vielmehr das ausführen, was der Mensch mit dem Taktstock sich vorstellt. Im Orpheus Chamber Orchestra hat kein Dirigent [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das <strong>Orpheus Chamber Orchestra</strong> in New York ist nicht nur Musikliebhabern, sondern auch Wirtschaftswissenschaftlern ein Begriff.  In einem normalen Orchester gibt allein der Dirigent den Ton an. Die Kreativität der einzelnen Musiker wird nicht gebraucht, sie müssen vielmehr das ausführen, was der Mensch mit dem Taktstock sich vorstellt. Im Orpheus Chamber Orchestra hat kein Dirigent irgendetwas zu sagen &#8211; das Orchester hat ihn schlichtweg abgeschafft. Dafür ist die Meinung jeder Cellistin und jedes Hornbläsers gefragt.</p>
<p><span id="more-3"></span>Gegründet von dem Cellisten Julian Fifer und einigen anderen Hochschulabsolventen in der Zeit der Proteste gegen den Vietnamkrieg verfolgte das Orchester von Anfang an einen radikaldemokratischen Ansatz. Das führte dazu, dass für manche Stücke fast zwei dutzend Proben nötig waren &#8211; eine ökonomisch und nervlich auf Dauer nicht durchzuhaltende Arbeitsweise. Deshalb entwickelte das Orchester den &#8220;<strong>Orpheus-Prozess</strong>&#8220;, bei dem für jedes Stück Konzertmeister und Stimmführer neu festgelegt werden. Diese Gruppe erarbeitet das Konzept für Interpretation und Proben. Bei den abschließenden Proben setzen sich die Orchestermitglieder abwechselnd in den Konzertsaal, um Balance, Klangverschmelzung, Dynamik u.a. zu bewerten. Doch zum einen ist jede ihrer Entscheidungen immer wieder revidierbar, und zum anderen rotieren die Musiker in diesen Funktionen. Während der Proben wird diskutiert und ausprobiert, am Schluss aber dann klar entschieden. Schließlich soll nicht ein Kompromiss zur Aufführung kommen, sondern eine pointierte Interpretation, die in ihrer Art weltweit einzigartig ist.  Die Folge: Sowohl die Arbeitszufriedenheit als auch die musikalische Qualität sind im Orpheus Chamber Orchestra sehr hoch.</p>
<p>Von Unternehmensberatungen wird der &#8220;Orpheus Prozess&#8221; inzwischen auch als Magagementmethode für nicht-musikalische Teambildungs- und Konfliktlösungsprozesse propagiert. Im Mittelpunkt dieser Methode stehen die zehn Prinzipien des kooperativen Managements:</p>
<ol>
<li>Lege Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse in die Hände derer, die die Arbeit machen.</li>
<li>Ermutige die Mitarbeiter, sich persönlich für das Produkt und dessen Qualität verantwortlich zu fühlen.</li>
<li>Pflege und erhalte ein Teamwork, das sich auf persönliche Verantwortung stützt.</li>
<li>Sorge dafür, dass Führungsverantwortung geteilt wird und Führungsrollen wechseln.</li>
<li>Sorge für eine jeweils klare Rollenzuteilung innerhalb der Organisation.</li>
<li>Lerne zuzuhören; lerne, aus Überzeugung und mit Entschlossenheit zu sprechen.</li>
<li>Mache aus jedem Mitarbeiter einen Spezialisten und einen Generalisten.</li>
<li>Strebe nach exzellenter Leistung durch Konsensbildung und schaffe Strukturen, die Konsensbildung begünstigen.</li>
<li>Pflege und erhalte den Respekt für andere.</li>
<li>Sei leidenschaftlich bei der Sache.</li>
</ol>
<p>Die anarchischen Organisationsprinzipien des &#8220;Orpheus Prozesses&#8221; lassen sich in jeder kooperativen Organisation nutzbringend anwenden. Den dramatischen Unterschied zwischen der  traditionellen und der Methode des &#8220;Orpheus Prozesses&#8221; beschreibt Don Palma, eines der Gründungsmitglieder des Orchesters, wie folgt: <em></em></p>
<blockquote><p>&#8220;Ich hatte das Orpheus Orchester ganz am Anfang für ein Jahr verlassen und bin zu den Los Angeles Philharmonikern gegangen. Ich hasste es. Ich mochte es nicht, dass mir die ganze Zeit über gesagt wurde, was zu tun ist und ich so behandelt wurde, als sei ich nichts anderes als ein gehorsamer  Soldat, der dort zu sitzen hatte und nur das ausführen durfte, was ihm gesagt wurde. Ich fühlte mich machtlos und ich konnte die Dinge nicht beeinflussen, insbesondere dann nicht, wenn sie nicht gut liefen. Ich fühlte mich frustriert, und es gab nichts, was ich hätte machen können, damit die Dinge besser liefen. Orpheus dagegen hält mich in Schwung. Ich habe die Möglichkeit, die Richtung der Musik in einem gewissen Maße selber zu beeinflussen. Ich denke, dass ist der Grund, warum so viele von uns sich seit so langer Zeit an diesem Projekt beteiligen.&#8221;<em><br />
</em></p></blockquote>
<p>Jochen Schmück,<br />
Potsdam, 25. Mai 2008</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Literatur zum Thema</span>:</p>
<ul>
<li>Seifter, Harvey  und Economy, Peter: <em>Das virtuose Unternehmen</em>. Frankfurt/Main: Campus, 2001. 258 Seiten. ISBN-13: 978-359336902</li>
</ul>
<p><span style="text-decoration: underline;">Weblinks zum Thema:</span></p>
<ul>
<li><a class="external text" title="http://www.orpheusnyc.org" rel="nofollow" href="http://www.orpheusnyc.org/">Homepage des Orpheus Chamber Orchesters</a></li>
<li> <a class="external text" title="http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9500E7DB1E39F931A25751C1A964948260&amp;sec=&amp;spon=&amp;partner=permalink&amp;exprod=permalinkNew" rel="nofollow" href="http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9500E7DB1E39F931A25751C1A964948260&amp;sec=&amp;spon=&amp;partner=permalink&amp;exprod=permalinkNew">&#8220;An Orchestra that needs no Conductor&#8221;</a><span class="external text"> (Artikel in: The York Times, 12.12.1982)</span></li>
</ul>
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		<title>Hallo Welt!</title>
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		<pubDate>Sun, 25 May 2008 07:08:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Anarchie]]></category>
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		<description><![CDATA[Willkommen im Blog des Forschungs- und Publikationsprojektes Anarchie 3.0. Der Begriff &#8220;Anarchie 3.0&#8243; wird für die anarchoiden (d.h. hier: mutualistischen und dezentralistischen) Tendenzen verwendet, wie wir sie seit einigen Jahren verstärkt in Wirtschaft und Gesellschaft beobachten können. In der Chronologie der zwei vorherigen Anarchien definiert sich die Anarchie 3.0 wie folgt: Anarchie 1.0: Die &#8220;regulierte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Blog des Forschungs- und Publikationsprojektes <strong>Anarchie 3.0.</strong> Der Begriff &#8220;Anarchie 3.0&#8243; wird für die anarchoiden (d.h. hier: mutualistischen und dezentralistischen) Tendenzen verwendet, wie wir sie seit einigen Jahren verstärkt in Wirtschaft und Gesellschaft beobachten können.</p>
<p><span id="more-1"></span>In der Chronologie der zwei vorherigen Anarchien definiert sich die Anarchie 3.0 wie folgt:</p>
<ul>
<li><strong>Anarchie 1.0</strong>: Die &#8220;regulierte Anarchie&#8221; der herrschaftsfreien Stammesgesellschaften der Jäger  und Sammler, Nomaden und Bauern. Als soziales Organisationsprinzip ein Erfolgsmodell: Denn diese Art der Anarchie ist nicht nur die älteste, sondern auch die am weitesten verbreitete Form von Gemeinwesen in der Geschichte der Menscheit gewesen. (Siehe hierzu vor allem die anthropologischen bzw. enthnologischen Studien von <a title="Harold Barclay: Völker ohne Regierung" href="http://www.alibro.de/product_info.php/info/p5080_Voelker-ohne-Regierung.html"><span class="external text">Harold Barclay: &#8220;Völker ohne Regierung&#8221;</span></a>, <a class="external text" title="http://www.amazon.de/gp/search?index=blended&amp;keywords=Clastres%20Staatsfeinde&amp;_encoding=UTF8" rel="nofollow" href="http://www.amazon.de/gp/search?index=blended&amp;keywords=Clastres%20Staatsfeinde&amp;_encoding=UTF8">Pierre Clastres: &#8220;Staatsfeinde&#8221;</a> und <a href="http://www.alibro.de/index.php/cat/c408_Sigrist--Christian.html"><span class="external text">Christian Sigrist: &#8220;Regulierte Anarchie</span><span class="external text">&#8220;</span></a>).</li>
</ul>
<ul>
<li><strong>Anarchie 2.0</strong>: Die Ende des 18. bzw. Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene und bislang unrealisiert gebliebene Vision einer Anarchie, wie sie von den ideologischen Vertretern des klassischen, aber auch des neuen Anarchismus propagiert worden ist. Diese Utopie einer mit politischen Mitteln angestrebten sozialen Anarchie muss (wohl nicht nur aus realpolitischer Sicht) als historisch gescheitert betrachtet werden. (Zu den Klassikern des Anarchismus siehe: <a title="http://www.libertadverlag.de/libertad_501.htmPaul Eltzbacher: Der Anarchismus" rel="nofollow" href="http://www.alibro.de/product_info.php/info/p5070_Der-Anarchismus.html">Paul Eltzbacher: Der Anarchismus</a>; zum neuen Anarchismus siehe: <a title="Hans Jürgen Degen &amp; Rolf Raasch: Die richtige Idee für eine falsche Welt? " href="http://www.alibro.de/product_info.php/info/p5107_Die-richtige-Idee-fuer-eine-falsche-Welt-.html">Hans J. Degen &amp; Rolf Raasch &lt;Hrsg.&gt;: Die richtige Idee für eine falsche Welt?</a>).</li>
</ul>
<ul>
<li><strong>Anarchie 3.0</strong>: Die &#8220;praktische (und d.h. hier: nicht-deklarierte) Anarchie&#8221; der mutualistischen und dezentralistischen Entwicklungstendenzen in Wirtschaft und Gesellschaft, wie wir sie seit Beginn des sog. &#8220;Informationszeitalters&#8221; insbesondere in den fortgeschrittenen Industriestaaten beobachten können. Die Gesellschaft ist im Umbruch. Besonders deutlich wird dies in der Konsum- und Produktionssphäre: Konsumenten werden zu Produzenten, die sich in freien Vereinigen von Prosumenten zum Vorteil des Einzelnen und Aller zusammenschließen. Organisatorische und soziale Hierarchien werden abgebaut sowie sie die freie Entwicklung des Netzwerkes der Prosumenten stören. Besitzverhältnisse werden nicht nur in Frage gestellt, sondern auch radikal umgestaltet. Neue Ökonomien entstehen, die an die mutualistischen Schenk- und Tauschwirtschaften unserer staatslosen Vorfahren erinnern.</li>
</ul>
<p>Die Anarchie 3.0, also die &#8220;praktische Anarchie&#8221; der Gegenwart, ähnelt tlw. frappierend der &#8220;regulierten Anarchie&#8221; unserer antistaatlichen Vorfahren. Deren Anarchie (also die Anarchie 1.0) hat wiederum mit der Anarchie 2.0 (der &#8220;Anarchie der Anarchisten&#8221;) so gut wie nichts zu tun und das gleiche gilt für das Verhältnis von Anarchie 2.0 und Anarchie 3.0. Zwischen den einzelnen Anarchien (1-3) liegt jedes Mal ein gravierender &#8220;Systemsprung&#8221;, der die jeweils jüngere Anarchie gegenüber der älteren als etwas originär Neues erscheinen lässt, da sie in keiner direkten Kontinuität zur vorhergehenden Anarchie steht.</p>
<p>Weitere Infos zum Projekt sowie die Dokumentation der Forschungsergebnisse finden sich hier auf den Seiten des Projektblogs. Jeder, der sich an der Diskussion über die <strong>Anarchie 3.0</strong> beteiligen möchte, ist hierzu herzlich eingeladen!</p>
<p>Jochen Schmück,<br />
Potsdam, 25. Mai 2008</p>
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