Anarchie 3.0

Warum das anarchische Organisationsprinzip erfolgreich ist

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Nicht bitter werden!

20. April 2011 · 2 Kommentare

Nicht bitter werden! Der Mensch  ist nicht gut und nicht böse, er  folgt dem Gesetz des geringsten Widerstandes. Je nachdem die Verhältnisse sind, benimmt er sich anständig oder unanständig; Macht wird immer mißbraucht: darum soll man nicht versuchen, die Menschen zu bessern, sondern soll die Verhältnisse ändern, soll Macht ausrotten. Und das ist möglich. Es muß und wird immer Führerschaft geben, aber  es hat  in  vielleicht hunderttausend  Jahren menschlicher Geschichte  keine Herrschaft gegeben; die gibt es erst seit etwa fünftausend Jahren, und die wird es sicherlich keine fünfhundert Jahre mehr geben. Also: nicht bitter werden!

Franz Oppenheimer (1)

Franz Oppenheimer (1864-1963)
Franz Oppenheimer (geb. 30. März 1864 als Sohn eines Rabbiners in Berlin; gest. 30. September 1943 in Los Angeles) war ein deutscher Arzt, Soziologe und Nationalökonom.

Oppenheimers Weltanschauung besitzt einen ausgesprochenen libertären Charakter. Besonders deutlich zeigt sich dies in der von ihm vertretenen Staatstheorie, die er seiner ökonomischen Theorie vorausschickt. Die Natur und die Geschichte des Staates analysierend, kommt Oppenheimer zu der zwingenden Schlussfolgerung: Der Staat ist und war immer das Ergebnis aggressiver Gewalt, Eroberung und Plünderung. Die Sicherung seiner Existenz erfolgte stets durch die massive Ausbeutung und Unterdrückung der Gesellschaft und ihrer Mitglieder.

Sein kompromissloser Föderalismus macht Oppenheimer zu einem wichtigen Wegbereiter einer herrschaftsfreien Gesellschaft, deren Entstehen und Charakter er wie folgt prognostiziert:

Breit und gewaltig rollt auch der Strom der Geschichte – und alle Geschichte bis heute ist Staatengeschichte – an uns vorbei, und sein Lauf entschwindet uns in den Nebeln der Zukunft. Dürfen wir es wagen, Vermutungen über seinen ferneren Lauf anzustellen, bis er, „dem erwartenden Erzeuger freudebrausend an das Herz“ sinkt? Ist eine wissenschaftlich begründete Prognose der künftigen Staatsentwicklung möglich?

Ich glaube, daß sie möglich ist. Die Tendenz der Entwicklung des Staates führt unverkennbar dazu, ihn seinem Wesen nach aufzuheben: er wird aufhören, das „entfaltete politische Mittel“ zu sein, und wird „Freibürgerschaft“ werden. Das heißt: die äußere Form wird im wesentlichen die vom Verfassungsstaate ausgebildete bleiben, die Verwaltung durch ein Beamtentum: aber der Inhalt des bisherigen Staatslebens wird verschwunden sein; die wirtschaftliche Ausbeutung einer Klasse durch die andere. Und da es somit weder Klassen noch Klasseninteressen mehr geben wird, wird die Bureaukratie des Staates der Zukunft jenes Ideal des unparteiischen Wahrers des Gemeininteresses wirklich erreicht haben, dem die heutige sich mühsam anzunähern versucht. Der „Staat“ der Zukunft wird die durch Selbstverwaltung geleitete „Gesellschaft“ sein.(2)

1938, nach der Reichskristallnacht, sah sich Oppenheimer gezwungen, Deutschland zu verlassen. Über Japan und China gelangte er schließlich in die USA, wo er sich nochmals als Wissenschaftler zu etablieren suchte. Trotz angeschlagener Gesundheit sowie extrem ungünstiger wirtschaftlicher Bedingungen blieb Oppenheimer bis zu seinem Tode als Wissenschaftler aktiv.

Anmerkungen

1) Franz Oppenheimer: Erlebtes, Erstrebtes, Erreichtes. Lebenserinnerungen. Düsseldorf: Joseph Melzer, 1964, S.106.

2) Franz Oppenheimer: Der Staat. Eine soziologische Studie. Neudruck n. d. 3. überarb. Aufl. 1929, Berlin: Libertad Verlag, 1990, S. 131

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