Anarchie 3.0

Warum das anarchische Organisationsprinzip erfolgreich ist

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Keine Macht für Niemand

11. Februar 2010 · Keine Kommentare

Zur Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR 1989/90

Ostberlin, 4. November 1989. Mehr als eine halbe Million Menschen demonstrieren auf dem Alexanderplatz gegen das SED-Regime für Meinungs-, Versammlungs- und Reisefreiheit. Es ist die größte frei organisierte Massendemonstration, die die Deutsche Demokratische Republik jemals erlebt hat, und sie markiert ihren historischen Wendepunkt.

Das Machtgefüge der SED-Diktatur, in der die Macht der Mächtigen auf der Ohnmacht der Ohnmächtigen beruhte, war im Herbst 1989 aus dem Lot geraten. Immer mehr Menschen waren das erniedrigende Schweigen und Dulden leid und leisteten mit friedlichen Mitteln Widerstand. Dem hatte das politische System, das mehr als vier Jahrzehnte lang das Leben seiner Bürger kontrolliert und reglementiert hatte, nichts mehr entgegenzusetzen. Von da ab ging es für das SED-Regime nur noch abwärts. Genaugenommen implodierte es, sein Herrschaftsapparat brach einfach in sich zusammen. Das war seltsam und in der jüngeren Geschichte Europas ein bis dahin einzigartiges Phänomen. Niemand war mehr da, der die Macht mit aller Macht verteidigen wollte und noch seltsamer war: Niemand mehr wollte die Macht haben, eine Zeitlang zumindest schien es so.

Keine Macht für Niemand! Die Losung der Anarchisten aus Weimar

Eine Gruppe von Anarchisten aus Weimar auf der historischen Demo vom 4. November 1989. © Günter Blutke, Berlin 2009

„Keine Macht für Niemand!“, diese Losung propagierten einige Anarchisten aus Weimar auf der historischen Demo in Ostberlin am 4. November 1989 auf einem bettlakengroßen schwarzen Tuch. Auf einem weiteren Spruchband forderten sie die „Veröffentlichung sämtlicher Werke von M. Bakunin und Erich Mühsam“. Anarchisten sind Büchermenschen und das macht die Forderung der ostdeutschen Anarchisten plausibel. Andere Demonstranten forderten: „Die Ostsee frei für Surfer und Segler!“. Jeder forderte das, was er sich am sehnlichsten wünschte.

Die Losung „Keine Macht für niemand!“ trifft allerdings den anarchischen Kern der friedlichen Revolution in der DDR 1989/90. Denn noch ehe die bundesrepublikanische Ordnung auf dem Territorium der Ex-DDR zur neuen herrschenden Ordnung wurde, hatte die widerständische Gesellschaft der DDR-Bürger begonnen, ihr Leben selber zu organisieren. Mit grimmiger Entschlossenheit und auch heiter lachend setzte man die alten Gesetze de facto außer Kraft. Neue gab es noch nicht. Anarchie, also eine Ordnung ohne Herrschaft, war an der Tagesordnung. Plötzlich war machbar, was lange undenkbar schien: Man entmachtete Bürgermeister und Betriebsdirektoren, verweigerte Befehle, gründete Gegengewerkschaften, besetzte Geheimdienstzentralen, belagerte Kasernen und jagte die Stasi davon. Freie Schulen wurden gegründet und Gefangene, Journalisten, Matrosen und Soldaten organisierten sich in Räten.

Stell Dir vor, es ist Anarchie und kein Anarchist bekommt es mit!

Die Geschichte dieser anarchischen Basisbewegung innerhalb der friedlichen Revolution der DDR ist von der Linken in Westdeutschland so gut wie nicht wahrgenommen und reflektiert worden, und dieses Manko gilt auch für den Großteil der westdeutschen Anarchisten. Zu sehr stand die westdeutsche Linke unter dem Schock der sich anbahnenden staatlichen Wiedervereinigung Deutschlands. „Anarchie statt Deutschland!“ war die Forderung der westdeutschen Anarchisten. Dass gerade im anderen Teil Deutschlands die Anarchie ausgebrochen war, haben sie damals schlichtweg nicht mitbekommen. Stattdessen starrten sie entsetzt auf die „Bühne“ der innerdeutschen und internationalen Politik, auf der mit großem Tamtam die Wiedervereinigung Deutschlands inszeniert wurde, und konnten so nicht erkennen, was sich unten im „Orchestergraben“ tat. Dort unten, wo die eigentliche Musik der revolutionären Veränderungen spielte, an der Basis der DDR-Gesellschaft, bildeten sich in den Monaten nach dem Zusammenbruch des alten SED-Regimes eine Vielzahl von freien Initiativen und Organisationen heraus, für die die Ablehnung von Macht und Hierarchien durchaus typisch war. „Wir waren alle ausgesprochen machtmufflig“, erinnert sich der Physiker und Bürgerrechtler Sebastian Pflugbeil.[1] Dass diese anarchische Tendenz der friedlichen Revolution in der DDR von den meisten West-Anarchisten nicht wahrgenommen wurde, ist eine Ironie der Geschichte. Aber so ist das: Anarchisten sind Experten für Anarchismus, nicht jedoch Experten für Anarchie.

Als in der Zeit des Zusammenbruchs des DDR-Regimes die staatlichen und betrieblichen „Leitungskader“ nicht mehr das Rückgrat hatten, noch irgendeine Entscheidung zu fällen, da entschied man eben selber – als Einzelner und in der Gruppe. Was sollte man machen. Irgendwie musste es weitergehen, und Anarchie als Ordnungsprinzip entsteht quasi von selbst. Dabei erlebte man, dass man sich durchaus ohne neue Chefs organisieren und ohne hierarchische Entscheidungsstrukturen erfolgreich die Dinge umsetzen konnte, die man für sinnvoll hielt.

Diese Anarchie der Umbruchzeit war eine beeindruckende Erfahrung, die bei allen, die sich damals in den entstehenden Freiräumen engagiert haben, starke und überwiegend positive Erinnerungen hinterlassen hat. „Damals waren ja alle total wuselig und ununterbrochen unterwegs“, erinnert sich die Schauspielerin Jutta Wachowiak, die zu den Initiatoren der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz gehörte. „Man wusste ja überhaupt nicht, wo oben und unten ist und wo zuerst anfangen und als Letztes aufhören. Das war ja wirklich äußerst intensiv und turbulent. Man begriff, das ist hier Geschichte, und dann fühlte es sich aber doch irgendwie so normal an. Also das war ein seltsames Gemisch damals.“[2]

Rätedemokratie beim Rundfunk der DDR

Nahezu alle Bereiche der Gesellschaft und Wirtschaft der DDR wurden im Herbst 1989 von dieser Anarchie erfasst. So auch der Rundfunk der DDR, der ebenso wie die Presse des Landes dem SED-Regime als „kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator“ gedient hatte. Wer in der DDR Journalist werden sollte, das hatte bis in den Herbst 1989 hinein die Partei bestimmt. Das Klima in den meisten Redaktionen war schlecht. Es herrschten die Bräuche von Unterwerfung und Anpassung, ständig lauerte das Misstrauen, immerfort gab es die Bereitschaft zur Denunziation: Dies nannte sich Wachsamkeit und galt als revolutionäre Tugend. Im Redaktionsalltag gab es keinen Raum für ein individuelles Hinterfragen der Arbeit. So verwundert es nicht, dass die DDR nicht einmal eine amtliche Zensurbehörde brauchte. Die „Schere in den Köpfen“ der Journalisten und Publizisten arbeitete weitgehend automatisch und im Sinne der Systemerhaltung fast perfekt.

Vor diesem Hintergrund waren die Veränderungen erstaunlich, welche im Herbst 1989 beim Rundfunk der DDR stattfanden. Am 11. November 1989, eine Woche nach der großen Demonstration vom 4. November auf dem Alexanderplatz, bei der von fast allen Rednern eine deutlich andere Medienpolitik gefordert worden war, trat das staatliche Rundfunkkomitee geschlossen zurück. Da auch der Ministerrat vier Tage zuvor zurückgetreten war, sollte die neu zu bildende Regierung über die neuen Leitungsstrukturen im Rundfunk entscheiden. Bis dahin aber existierte beim Rundfunk eine Art Doppelherrschaft, die, da niemand die Macht ausüben wollte, genaugenommen ein Machtvakuum war. Zwar bezogen die alten Intendanten und Redaktionsleiter weiter ihre Gehälter, aber sie erschienen teilweise nicht mehr zum Dienst oder verweigerten die „Abnahme“ von Sendebeiträgen. So bildeten sich auch beim Rundfunk spontan Räte, die als Redakteursräte den Mediengiganten mit seinen rund 3.700 Mitarbeitern in fünf Sendern monatelang erfolgreich managten. Der Regisseur und ehemalige Kameramann Peter Hill erinnert sich: „Bedingung war, dass keine SED-Funktionäre und früheren Chefs dabei sein durften. Jeder konnte sich einbringen, wenn ihn denn die Kollegen akzeptierten und in den Redakteursrat wählten. Dort wurden dann die Themen ausgewählt und Programme verabredet, anschließend informierten wir die Intendanten und Chefredakteure darüber.“[3]

Die Initiative zur Gründung der Redakteursräte im DDR-Rundfunk ging von der Hauptabteilung Außenpolitik aus, wo man schon immer etwas weltoffener war. Es folgte das Jugendradio DT 64, wohingegen in der „Stimme der DDR“ mancher noch glaubte, ein „gutes“ Bild vom Lande nach außen vermitteln zu müssen und vieles spürbar langsamer lief.

Nach und nach bildeten sich in allen größeren Bereichen des DDR-Rundfunks derartige Räte, die sich untereinander vernetzen und einen informellen Rat der Räte bildeten. Als am 1. Dezember 1989 trotz mancher Proteste der bisherige Chefredakteur der Hauptabteilung Nachrichten, Manfred Klein, von der neu berufenen Modrow-Regierung zum Generalintendanten des Rundfunks ernannt wurde, blieb diesem nichts anderes übrig, als die in der Zwischenheit entstandenen Redakteursräte zu akzeptieren und in sein Leitungskonzept zu integrieren. Ab dem 4. Dezember 1989 fanden schließlich in allen Sendern offizielle Wahlen zu den Redakteursräten statt, die die Direktion als „Organe der Mitbestimmung und Kontrolle“ anerkennen musste. Die Redakteursräte gaben sich selbst ihr Statut und ihre Wahlordnung. Am Aufbau neuer Hierarchien hatte zu dieser Zeit niemand Interesse: „Innerhalb des zwölfköpfigen Redakteursrates wollte niemand den Vorsitz übernehmen. Von Vorsitzenden hatten wir endgültig genug“, erinnert sich Peter Hill. „Wir haben dann einen Sprecher gewählt, das wurde Michael Bajohr, Redakteur in der Politikredaktion. Ich wurde zunächst Sekretär und übernahm später die Öffentlichkeitsarbeit, um interessierte Kollegen vor allem der Westberliner und westdeutschen Presse zu informieren, die sich zu dieser Zeit sehr dafür interessierten, was bei uns abging.“ [4]

Für die Publizistik der DDR war die Zeit zwischen November 1989 und Oktober 1990 sicherlich die wohl spannendste Periode ihrer Geschichte. Plötzlich konnte auch in den DDR-Medien über Umweltvergiftungen und Amtsmissbrauch, ja eigentlich über ALLES, geredet werden. Man probierte neue Sendeformen und Formate. Heiner Noske, damals Mitglied der Wissenschaftsredaktion des DDR-Rundfunks, erinnert sich an die Aufbruchsstimmung jener Tage:

„Wir haben in der Folgezeit dann wirklich Neuland beschritten und unsere journalistischen Freiräume genutzt. An Themen war kein Mangel. Zu viel war viel zu lange ausgeblendet gewesen. Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte, gab es kein kritisches Hinterfragen des gesellschaftlichen Lebens. Nun stand hinter der scheinbar auf Ewigkeit gepachteten Führungsrolle der SED ein dickes Fragezeichen, auch über den ‚Abschied vom Proletariat‘ konnte laut nachgedacht werden. Und zu den Ursachen der geringen Produktivität der DDR-Wirtschaft äußerten sich Wissenschaftler in unseren Sendungen. Nachdem am 2. Februar die Stimme der DDR in Deutschlandsender zurückbenannt worden war und damit auch die alten Leitungskader endgültig verschwanden, brachen nahezu paradiesische Zeiten an. Es gab keinen Anpassungsdruck mehr nach oben, wir entschieden in gemeinsamer Diskussion, ohne uns zu zerstreiten. Viele westdeutsche Kollegen kamen damals regelmäßig zu uns und boten ihre Mitarbeit an, auch wenn es nur DDR-Geld dafür gab. Eine solche Atmosphäre ohne oben und unten erträumten sich viele wohl auch für ihre Heimatsender.“[5]

Das Ende der Wende

Angesichts der politischen Rolle, welche die Medien der DDR bei der Stabilisierung des SED-Regimes gespielt hatten, ist es nicht verwunderlich, dass die radikalen Veränderungen, die sich im Herbst 1989 auch in den DDR-Medien vollzogen, bisweilen von einer seltsamen Mischung aus Engagement und Opportunismus getragen wurden. Der systemkritische Schriftsteller Rolf Schneider, einstmals Redakteur der kulturpolitischen Zeitschrift „Aufbau“ in Berlin, erinnert sich an die Irritationen, die dieser Wendezeit-Journalismus bei nicht wenigen Zeitgenossen auslöste: „So manche Stimme, die jetzt den Aufbruch in die Demokratie bejubelte, hatte man noch deutlich im Ohr: von ergebenen Kommentaren zum letzten SED-Parteitag oder zu einem anderen staatstragenden Begängnis“. Eine selbstkritische Beschäftigung mit der eigenen Rolle blieb eher die Ausnahme. „Die meisten entsannen sich lieber des einen oder anderen Textes ihrer Feder, den der Chefredakteur einmal aussortiert hatte, aus Platzgründen, und der sich nun als Ausweis für Unbotmäßigkeit, Widerstand und Verfolgung anbot.“ [6]

Doch der „kurze Winter der Anarchie“ in der DDR ging schon bald seinem Ende entgegen. Spätestens nach dem Wahlsieg der konservativen „Allianz für Deutschland“ am 18. März 1990 und der Bildung der Regierung de Maizière einen Monat später waren die Weichen auf den zügigen „Beitritt“ der DDR zur Bundesrepublik Deutschland umgestellt. Der im Wahlergebnis von großen Teilen der Bevölkerung artikulierte Wunsch nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde von der politischen Führung beider deutscher Teilstaaten so interpretiert, dass das westliche System auf den östlichen Teil auszudehnen und DDR-Spezifisches weitestgehend zu eliminieren sei. Dies galt auch für die Umgestaltung der Medien, in denen sich allmählich wieder traditionelle Macht- und Leitungsstrukturen herausbildeten. Das von der Regierung de Maizière neu geschaffene Medienministerium wurde nun wieder rein politisch und nicht nach Kriterien der Sachkompetenz besetzt.

Im Zuge der Verhandlungen um die deutsche Einheit zeichnete sich bald ab, dass es eine gemeinsame Rundfunkanstalt für die neu zu bildenden ostdeutschen Länder nicht geben würde. Zu groß waren die politischen Unterschiede zwischen den Nord- und Südregionen. Also lief alles auf eine Abwicklung des DDR-Rundfunks hinaus. Hunderte Entlassungen standen an, und unter den Rundfunk-Mitarbeitern breitete sich Zukunftsangst aus. Plötzlich war die Stimmung in den Redaktionen wieder mies. Die Wende von der Wende war gekommen, und die im Herbst 1989 begonnenen radikalen Demokratisierungs- und Umgestaltungprozesse wurden nicht mehr fortgesetzt. Fortan wurden die Entscheidungen nicht mehr von Bürgerbewegungen, Demonstranten, Runden Tischen und Räten gefällt, sondern zunehmend hatten die zahlreich gen Osten reisenden westlichen Berater aus Politik und Wirtschaft das Sagen. Die hatten natürlich kein Interesse an Verhandlungen mit basisdemokratisch organisierten Räten, sondern waren eher auf herkömmliche Führungsstrukturen und Führungspersonen fixiert, so dass manch einer der bereits ausgemusterten Kader des alten Systems mit ihrer Hilfe in der Nachwendezeit zu einer neuen Karriere als Politiker oder Manager durchstarten konnte.

Was lehrt uns das?

Anarchie im Sinne einer sozialen Ordnung ohne Herrschaft ist ein empfindliches Gewächs. Anarchie benötigt den sozialen Konsens, und sie gedeiht dementsprechend schlecht in einem Klima von Macht und Gewalt, wie es für die meisten Revolutionen in der Vergangenheit bislang typisch gewesen ist. Selbst dort, wo erklärte Anarchisten wie in Russland (1917-1921) oder in Spanien (1936-1939) im Zuge revolutionärer Geschehnisse versucht haben, ihre anarchistischen Gesellschaftsideale praktisch zu realisieren, war im Alltag von realer Anarchie als Praxis der Herrschaftslosigkeit sehr wenig zu verspüren. Stattdessen herrschte sowohl in Russland als auch Spanien ein erbittert geführter Bürgerkrieg, der von dem üblichen politischen Terror aller Bürgerkriegsparteien begleitet wurde. Mit Anarchie im positiven Sinne hatte das, was in den Revolutionen in Russland und Spanien geschah, denkbar wenig zu tun.

Es zeichnet die Frauen und Männer der Revolution 1989/90 in der DDR aus, dass sie die Selbstbefreiung von 16 Millionen Menschen aus der Diktatur des SED-Regimes mit friedlichen Mitteln ermöglicht haben. Keine Erschießungskommandos, keine Arbeitslager, keine anderen Versuche, mit Macht und Gewalt die politischen Verhältnisse zu ändern. Dadurch hat die friedliche Revolution in der DDR vielleicht weit mehr als die historischen revolutionären Gesellschaftsexperimente der Anarchisten bewiesen, dass Anarchie durchaus eine funktionsfähige Alternative zu den in Ost und West etablierten Ordnungssystemen sein kann. Die Erfahrung, dass man das Leben ohne Chefs und ohne ein System von Befehl und Gehorsam in freier Vereinbarung der Beteiligten organisieren kann, hat sich tief in die Erinnerung der meisten Revolutionsteilnehmer eingegraben. Und so finden sich zahlreiche Berichte von Zeitzeugen, in denen die Freude an der erlebten Anarchie zum Ausdruck kommt, so wie in der Erinnerung von Heiner Noske: „Wenn man sich heute mit ehemaligen Kollegen trifft, dann kommt sehr schnell die Sprache auf jene Zeit, in der alles möglich schien, in der wir die Freude selbstbestimmten Handelns erleben konnten. Das gibt es nicht so häufig im Leben. Viele von uns hat das nachhaltig geprägt.“ [7]

Jochen Schmück,
Potsdam, 11. Februar 2010

Literaturempfehlung zum Thema

Das wunderbare Jahr der AnarchieZum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR 1989/90 ist im Ch. Links Verlag in zweiter Auflage das Buch „Das wunderbare Jahr der Anarchie. Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90“ erschienen. Die Autoren Christoph Links, Antje Taffelt und Sybille Nitsche sind für das Buch ein Jahr lang durch die Ex-DDR gereist und haben vor Ort mehr als vierzig authentische Geschichten gesammelt, die vom Widerspruchsgeist und Aufbegehren ostdeutscher Frauen und Männer und von den unerschrockenen Konfrontationen mit der Staatsmacht in den letzten Monaten des SED-Regimes erzählen. Die Alltagsgeschichte der aus einem politischen Machtvakuum im Zuge der friedlichen Revolution in der DDR spontan entstandenen Anarchie ist noch weitgehend unerforscht geblieben. Die in „Das wunderbare Jahr der Anarchie“ gesammelten Berichte sind deshalb nicht nur spannend zu lesen, sie machen auch Lust, sich intensiver mit dieser Geschichte zu beschäftigen.

Dieser Beitrag wurde für die im März 2010 erscheinende Ausgabe der Zeitschrift „Espero – Forum für libertäre Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung“ verfasst.


[1] Sebastian Pflugbeil. Das Vergehen eines Ministers, in: Christoph Links, Sybille Nitsche und Antje Taffelt: Das wunderbare Jahr der Anarchie. Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90. Berlin: Ch. Links Verlag, 2009 (2. Aufl.), S. 135.
[2] Zit. nach Matthias Eckoldt: Zeit der Träume. Die DDR Anfang November 1989, Sendung „MerkMal“vom 8.11.2004 im Deutschlandradio Berlin. Direktlink zum Sende-Mskr.: http://www.dradio.de/dlr/sendungen/merkmal/319024/.
[3] Zit. in Christoph Links: Redakteursräte und Doppelherrschaft, in: Das wunderbare Jahr der Anarchie, o.a.O., S. 75.
[4] Zit. in ebd., S. 76.
[5] Zit. in ebd.
[6] Rolf Schneider: In der Nische. Wie Ostdeutschlands Journalisten die Wende überlebten, Spiegel Special 1/1995: Die Journalisten, S. 85.
[7] Zit. in Christoph Links: Redakteursräte und Doppelherrschaft, in: Das wunderbare Jahr der Anarchie, o.a.O., S. 77.

 

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