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	<title>Anarchie 3.0 &#187; Anarchie 3.0</title>
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	<description>Warum das anarchische Organisationsprinzip erfolgreich ist</description>
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		<title>Anarchism Reloaded oder Anarchy Alive?</title>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 09:33:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchie 3.0]]></category>
		<category><![CDATA[Aktionsanarchismus]]></category>
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		<description><![CDATA[„Hier und Jetzt!“ will ein anarchistisches Buch über Anarchismus sein, und das Hauptanliegen seines Autors ist es, einen Beitrag zur anarchistischen politischen Theorie zu leisten. Die anarchistische politische Theorie, auf die sich Gordon bezieht, um sich dem neuen „Anarchismus“ anzunähern, hat ihre Wurzeln überwiegend in der angloamerikanischen anarchistischen Bewegung und ihrer Literatur. Gleichzeitig fließen in die Studie, seine Erfahrungen ein, die er in der Bewegung der radikalen Globalisierungskritiker in Europa sammelte, was zu einem Brückenschlag  zwischen angloamerikanischer Theoriediskussion und kontinentaleuropäischem Aktionsanarchismus führt.  Dabei wird Manches anders als hierzulande und einiges sogar neu buchstabiert.
In seiner Studie untersucht Gordon die Entwicklung anarchistischer Gruppen, Aktionen und Ideen der letzten Jahre. Er versucht dabei aufzuzeigen, was eine Theorie, die auf der Praxis aufbaut, für die zentralen Debatten und Problemstellungen leisten kann, die die Bewegungen heute umtreiben. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="text-decoration: underline;"><strong>Buchbesprechung:</strong></span></p>
<blockquote><div class="img size-medium  wp-image-246  alignright" style="width:225px;">
	<a href="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/05/Gordon_Uri_SW.jpg"><img src="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/05/Gordon_Uri_SW-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>
	<div>Uri Gordon, der Autor von &quot;Hier und Jetzt. Anarchistische Praxis und Theorie&quot; (2010)</div>
</div><em>„Die Proteste gegen den Weltwährungsfonds und die Weltbank in Prag lagen gerade hinter uns, die frische antikapitalistische Brise war überall spürbar, und ich war begierig, dabei zu sein. Ich hatte in Israel an Friedens- und Umwelt-Aktionen teilgenommen und Marx, Marcuse und Kropotkin gelesen. Und nun ging ich zu einem Treffen mit Aktivistinnen und Aktivisten, die aus Prag zurückgekehrt waren. Wenige Wochen später organisierten wir eine Demo vor einem Vorlesungssaal in Oxford, wo der ehemalige Chef des IWF, Michel Camdessus, geehrt wurde. Bald war ich mehr mit Aktivismus als mit Studieren beschäftigt. Ich beteiligte mich immer intensiver an alternativen Globalisierungsnetzwerken und an dem, was Aktivistinnen und Aktivisten verächtlich als »Gipfel-Hopping« bezeichnen. Ich wurde in Nizza mit Tränengas traktiert, in London eingekesselt und entkam in Genua nur knapp einer ziemlich üblen Prügelei. Nach dem 11. September 2001 entstanden die Antikriegsbewegungen, und allmählich grenzten sich die Reformer immer deutlicher von den Revolutionären ab. Zu dieser Zeit etwa wurde mir auch klar, dass ich mein Studium keineswegs vernachlässigte. Ich konnte meinen Aktivismus einfach als Feldstudien deklarieren und meine akademische Arbeit so ausrichten, dass sie für Aktivistinnen und Aktivisten nützlich sein würde. Dabei ist dieses Buch herausgekommen.“</em></p></blockquote>
<p>So beschreibt der israelische Anarchist Uri Gordon die „Geburtsstunde“ seines 2008 veröffentlichten Buches <em>„Anarchy Alive! Anti-authoritarian Politics from Practice to Theory“,</em> das 2010 in der Edition Nautilus in deutscher Übersetzung unter dem Titel: <em>„Hier und Jetzt. Anarchistische Praxis und Theorie“ </em>erschienen ist. Gordon war im Oktober 2000 nach Europa gekommen, um in Oxford seine Dissertation ursprünglich über Umweltethik zu schreiben. Daraus wurde erst einmal nichts aus den eingangs von ihm selbst erwähnten Gründen.  Seine in der Bewegung der radikalen „Globalisierungskritiker“ gemachten Erfahrungen hat Gordon in seinem Buch über die zeitgenössische anarchistische Politik verarbeitet.</p>
<p><span id="more-239"></span>Uri Gordon zufolge ist in den vergangenen zehn Jahren eine neue globale anarchistische Bewegung entstanden, wie es sie seit den 1930er Jahren nicht mehr gegeben hat:</p>
<blockquote><p><em>„Von antikapitalistischen Zentren und ökofeministischen Höfen bis zu Basisorganisationen auf Gemeinde-Ebene, Blockaden internationaler Gipfeltreffen, alltäglichen direkten Aktionen und einer enormen Menge an Publikationen und Websites – Anarchie lebt im Herzen der globalen Bewegung, die erklärt: »Eine andere Welt ist möglich.« Das Ende der Geschichte, das 1989 ausgerufen wurde, hat sich keineswegs eingestellt. Vielmehr sind die Verbreitung und Erweiterung anarchistisch inspirierter Kämpfe und Politik  – weitgehend in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern – seither eine bedeutende  Antriebskraft hinter dem Widerstand gegen den Neoliberalismus und den permanenten Krieg. Das Wort selber kann Grund zum Stolz sein oder auch eine unnötige Belastung oder ein vernachlässigbares Accessoire. Positive Umschreibungen gibt es ohne Ende: anti-autoritär, autonom, horizontal … aber wenn du sie siehst, erkennst du sie sofort – Anarchie ist überall.“</em></p></blockquote>
<p><em>„Hier und Jetzt!“</em> will ein anarchistisches Buch über Anarchismus sein, und das Hauptanliegen seines Autors ist es, einen Beitrag zur anarchistischen politischen Theorie zu leisten. Die anarchistische politische Theorie, auf die sich Gordon bezieht, um sich dem neuen „Anarchismus“ anzunähern, hat ihre Wurzeln überwiegend in der angloamerikanischen anarchistischen Bewegung und ihrer Literatur. Gleichzeitig fließen in die Studie, seine Erfahrungen ein, die er in der Bewegung der radikalen Globalisierungskritiker in Europa sammelte, was zu einem Brückenschlag  zwischen angloamerikanischer Theoriediskussion und kontinentaleuropäischem Aktionsanarchismus führt.  Dabei wird Manches anders als hierzulande und einiges sogar neu buchstabiert.</p>
<p>In seiner Studie untersucht Gordon die Entwicklung anarchistischer Gruppen, Aktionen und Ideen der letzten Jahre. Er versucht dabei aufzuzeigen, was eine Theorie, die auf der Praxis aufbaut, für die zentralen Debatten und Problemstellungen leisten kann, die die Bewegungen heute umtreiben. Unter „Anarchismus“, so wie er von Gordon definiert wird, ist mindestens Dreierlei zu verstehen:</p>
<blockquote><p>„<em>Erstens ist Anarchismus eine zeitgenössische soziale Bewegung, die sich aus dichten Netzwerken vieler Einzelner, von Bezugsgruppen und Kollektiven zusammensetzt. Sie kommunizieren intensiv, teilweise weltweit und stimmen sich bei einer Vielzahl direkter Aktionen und andauernder Projekte miteinander ab. Die durch und durch dezentrale und netzwerkartige Struktur der anarchistischen Bewegung scheint manchmal verwirrend – all die Aktivitäten entfalten sich gewöhnlich ohne formelle Mitgliedschaften oder feste organisatorische Abgrenzungen.</em></p>
<p><em>Zweitens ist Anarchismus die Bezeichnung für eine komplexe politische Kultur, die diese Netzwerke inspiriert und mit Inhalt füllt – wobei der Begriff hier eine Gruppe gemeinsamer Orientierungen bezeichnet, die das politische Handeln und das Reden darüber sowie auch das tägliche Leben ausrichten. Kennzeichnend für diese Kultur sind:</em></p>
<ul>
<li><em>ein gemeinsames Repertoire politischer Aktionsformen auf der Grundlage der direkten Aktion, des Aufbaus von Alternativen »von unten«, von Kontakten und Konfrontation auf lokaler Ebene;</em></li>
<li><em>gemeinsame Organisationsformen: dezentralisiert, horizontal und konsensorientiert;</em></li>
<li><em>eine gemeinsame Kultur in so unterschiedlichen Bereichen wie Kunst, Musik, Kleidung und Essgewohnheiten, häufig angelehnt an westliche Subkulturen;</em></li>
<li><em>eine gemeinsame politische Sprache, der es auf Widerstand gegen den Kapitalismus, den Staat, das Patriarchat und allgemein gegen Hierarchien und Dominanz ankommt.</em></li>
</ul>
<p><em>Die anarchistische politische Sprache transportiert selber eine dritte Bedeutung von Anarchismus – Anarchismus als Sammlung von Ideen. Anarchistische Ideen sind theoretisch ausgefeilt und befinden sich zugleich im Fluss unablässiger Weiterentwicklung. Der Inhalt zentraler anarchistischer Gedanken ändert sich von einer Generation zur nächsten und ist nur vor dem Hintergrund der Bewegungen und Kulturen zu verstehen, in denen und durch die sie ausgedrückt werden.“</em></p></blockquote>
<p>Diese von Uri Gordon dergestalt definierte neue anarchistische Bewegung hat erkennbar geringe Berührungspunkte mit dem traditionellen Anarchismus. Gordon meint sogar Anzeichen eines Paradigmenwechsel des Anarchismus zu erkennen, der <em>„heutzutage durch und durch heterodox ist, aktionsbezogen und darauf aus, zu gewinnen“</em>.</p>
<p>Der neue Anarchismus, wie ihn Gordon definiert, ist ein theoretisches Konstrukt. Denn die Bewegung, die der Autor als die neue anarchistische Bewegung untersucht und beschreibt, versteht sich von ihrem Selbstverständnis her wohl eher selten als „anarchistisch“. Der Begriff „Anarchismus“ dient Gordon als ein theoretischer Sammelbegriff, unter dem die unterschiedlichsten Einzelbewegungen, wie z.B. die Ökologiebewegung, der Feminismus, die Schwulenbewegung, die Bewegung für Tierrechte, der „Schwarze Block“ und nicht zuletzt auch die formellen und informellen Gruppen der erklärten Anarchisten  und Anarchistinnen als eine gemeinsame soziale Bewegung berücksichtigt werden. Aber genauso gut könnte man diese Bewegung unter dem Sammelbegriff der „Neuen Sozialen Bewegungen“ verbuchen. Eine Zeitlang wurde hierzulande diese ideologisch und von ihren Aktionsformen her heterogene Protestbewegung auch als „Alternativbewegung“ bezeichnet.  Das sind Schubladenbegriffe der Wissenschaft, mit denen in der realen Praxis der sozialen Bewegungen nur selten jemand etwas anfangen kann.</p>
<p>Unbestritten bleibt jedoch, dass es in dieser bunten rebellischen neuen sozialen  Bewegung, die sich seit einigen Jahrzehnten als Alternative zu den bestehenden  Herrschaftssystemen gebildet und artikuliert hat, ein diffuses anarchistisches Milieu gibt. Ich würde es allerdings eher als ein <em>anarchisches </em>Milieu bezeichnen. Denn wie Gordon selbst auch einräumt, orientieren sich nur die Wenigsten in dieser Bewegung explizit am Anarchismus welcher Spielart auch immer. Was Gordon in seiner Studie beschreibt, ist eher die Kultur einer intuitiv gelebten Anarchie und weniger eine bewusst reflektierte ideologische Einstellung, wie sie etwa von den erklärten Anarchisten vertreten wird.  Das ändert nichts am Phänomen der Rückkehr einer Kultur der Anarchie , für das sich auch in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen Belege finden lassen. Die Differenzierung zwischen <em>anarchisch</em> und <em>anarchistisch</em> hilft jedoch politische Fehlinterpretationen zu vermeiden.</p>
<p>Die Untersuchung dieses anarchischen Milieus, das sich zu einem globalen Phänomen der unterschiedlichsten widerständischen Bewegungen entwickelt hat, macht die eigentliche Stärke von Gordons Studie aus. Aus einer quasi  anthropologischen Perspektive heraus (tlw. auch in expliziter Anlehnung an die Anthropologen David Graeber und Jeff Juris) versucht Gordon aufzuzeigen, „was die Bewegung bewegt“.  Dabei berücksichtigt er die Perspektiven, Dilemmata und Kontroversen der neuen „anarchistischen“ Bewegung, die erst innerhalb der real stattfindenden antiautoritären Kämpfe für gesellschaftliche Veränderungen zutage treten. Eingehend beschäftigt sich Gordon mit der Frage der internen Hierarchien und der Macht innerhalb der Netzwerke dieser Bewegung und verfolgt daran anschließend die Frage nach der Definition, der Rechtfertigung und der Effizienz politisch begründeter Gewalt. Des Weiteren berücksichtigt er die Kontroverse Technologie versus Moderne innerhalb der Bewegung.</p>
<p>Im abschließenden Kapitel, das für mich zu dem Spannendsten seines Buches gehört,  setzt sich Gordon mit dem Verhältnis des Anarchismus zu den nationalen Befreiungsbewegungen auseinander. Diese für Anarchisten in vielerlei Hinsicht heikle Problematik erläutert er am besonderen Fall Palästina/Israel. Gordon berichtet dabei aus erster Hand von seinen Erfahrungen in einer Gruppe israelischer Aktivisten, die sich bemüht, die Barrieren zwischen israelischen und palästinensischen Gebieten abzubauen. Seit Beginn der zweiten Intifada konzentrieren sich die Aktivitäten dieser Gruppe auf die Besatzung in Palästina und wendeten sich insbesondere gegen den Bau der Apartheids-Mauer, was auch zu ihrer späteren  Namensgebung „Anarchists against the Wall“ führte. Unter den Palästinensern gibt es einige verwandte Seelen und viele Verbündete, aber keine  anarchistische Bewegung. Doch hat sich in den letzten Jahren eine Allianz zwischen palästinensischen Gemeinden, israelischen und internationalen Aktivisten gebildet.</p>
<p>Natürlich sind in einem Kontext wie dem israelisch-palästinensischen die Aussichten anarchistischer Politik besonders trübe. Jahrzehnte der Besatzung und bewaffneten Auseinandersetzungen haben eine schwer lastende Hypothek der Angst und des Misstrauens hinterlassen. Man versteht Gordon, wenn er schreibt: <em>„Mitten in all dem täglichen Schrecken von Tod und Demütigung, gegenseitiger Unkenntnis, Angst und Hass würde man gerne etwas Positives über die Aussichten für einen »echten Frieden« in der Region sagen können.“ </em>Uri Gordon versucht eine solche positive Perspektive zu entwickeln, indem er für den jüdisch-palästinensischen Konflikt eine „Kein-Staat-Lösung „ aufzeigt, die als jüdisch-palästinensische Graswurzelbewegung das Gemeinsame der Menschen in der Region beansprucht  und sich in Richtung direkter Demokratie, einer partizipativen Ökonomie und echter Autonomie für die in ihr lebenden Menschen bewegt.</p>
<p><em>„Hier und Jetzt!“</em> ist ein Buch, mit dem ich in diversen Aspekten nicht übereinstimme.  Dennoch möchte ich es zur Lektüre empfehlen. Es ist ein anregendes Buch mit frischen Ideen, das geeignet ist, die Theorie und die Praxis des Anarchismus einmal grundsätzlich in Frage zu stellen und neu zu überdenken.</p>
<p>Jochen Schmück,<br />
Potsdam im Mai 2010</p>
<hr /><a href="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/05/9783894017248_Gordon_Hier_und_Jetzt_BIG1-e1274954155256.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-251" src="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/05/9783894017248_Gordon_Hier_und_Jetzt_BIG1-e1274954155256.jpg" alt="" width="150" height="249" /></a>Die Daten zum Buch:<strong> </strong></p>
<p><strong>Hier u</strong><strong>nd Jetzt. Anarchistische Praxis und Theorie</strong>. Von <strong>Uri Gordon</strong>. Aus dem Englischen übersetzt von Sophia Deeg (Original: Anarchy Alive! Anti-Authoritarian Politics from Practise to Theory, London: Pluto Press, 2088). Deutsche Erstausgabe. Erschienen im Februar 2010 in der Edition Nautilus, Hamburg. Broschur, 256 Seiten. ISBN 978-3-89401-724-8, 18,00 €.</p>
<p>Der Titel ist direkt erhältlich bei <a href="http://www.alibro.de/product_info.php/info/p5163_Hier-und-Jetzt.html"><strong>aLibro</strong> &#8211; der Fachbuchhandlung für Anarchie und Anarchismus</a></p>
<hr /><strong>Interview (engl.) mit Uri Gordon</strong> über sein Buch &#8220;Hier und Jetzt&#8221; und die Gruppe israelischer    Friedensaktivisten  &#8220;Anarchists against the Wall&#8221; (The Struggle, Sept.  2009)<br />
<p><a href="http://www.anarchie-drei-null.de/anarchism-reloaded-oder-anarchy-alive/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p><br />
<hr />
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		<title>Keine Macht für Niemand</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 11:07:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchie 2.0]]></category>
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		<category><![CDATA[1989]]></category>
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		<description><![CDATA[Ostberlin, 4. November 1989. Mehr als eine halbe Million Menschen demonstrieren auf dem Alexanderplatz gegen das SED-Regime für Meinungs-, Versammlungs- und Reisefreiheit. Es ist die größte frei organisierte Massendemonstration, die die Deutsche Demokratische Republik jemals erlebt hat, und sie markiert ihren historischen Wendepunkt.

Das Machtgefüge der SED-Diktatur, in der die Macht der Mächtigen auf der Ohnmacht der Ohnmächtigen beruhte, war im Herbst 1989 aus dem Lot geraten. Immer mehr Menschen waren das erniedrigende Schweigen und Dulden leid und leisteten mit friedlichen Mitteln Widerstand. Dem hatte das politische System, das mehr als vier Jahrzehnte lang das Leben seiner Bürger kontrolliert und reglementiert hatte, nichts mehr entgegenzusetzen. Von da ab ging es für das SED-Regime nur noch abwärts. Genaugenommen implodierte es, sein Herrschaftsapparat brach einfach in sich zusammen. Das war seltsam und in der jüngeren Geschichte Europas ein bis dahin einzigartiges Phänomen. Niemand war mehr da, der die Macht mit aller Macht verteidigen wollte und noch seltsamer war: Niemand mehr wollte die Macht haben, eine Zeitlang zumindest schien es so.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Zur Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR 1989/90</strong></h3>
<p><strong>Ostberlin, 4. November 1989. Mehr als eine halbe Million Menschen demonstrieren auf dem Alexanderplatz gegen das SED-Regime für Meinungs-, Versammlungs- und Reisefreiheit. Es ist die größte frei organisierte Massendemonstration, die die Deutsche Demokratische Republik jemals erlebt hat, und sie markiert ihren historischen Wendepunkt. </strong></p>
<p>Das Machtgefüge der SED-Diktatur, in der die Macht der Mächtigen auf der Ohnmacht der Ohnmächtigen beruhte, war im Herbst 1989 aus dem Lot geraten. Immer mehr Menschen waren das erniedrigende Schweigen und Dulden leid und leisteten mit friedlichen Mitteln Widerstand. Dem hatte das politische System, das mehr als vier Jahrzehnte lang das Leben seiner Bürger kontrolliert und reglementiert hatte, nichts mehr entgegenzusetzen. Von da ab ging es für das SED-Regime nur noch abwärts. Genaugenommen implodierte es, sein Herrschaftsapparat brach einfach in sich zusammen. Das war seltsam und in der jüngeren Geschichte Europas ein bis dahin einzigartiges Phänomen. Niemand war mehr da, der die Macht mit aller Macht verteidigen wollte und noch seltsamer war: Niemand mehr wollte die Macht haben, eine Zeitlang zumindest schien es so.</p>
<p><a href="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/02/Alex-Demo_1989-11-04_Keine_Macht_für_Niemand_2.png"><img class="size-full wp-image-195  alignnone" src="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/02/Alex-Demo_1989-11-04_Keine_Macht_für_Niemand_2.png" alt="Keine Macht für Niemand! Die Losung der Anarchisten aus Weimar" width="500" height="331" /></a></p>
<p><sub>Eine Gruppe von Anarchisten aus Weimar auf der historischen Demo vom 4. November 1989. © <a href="http://www.blutke.de/wendezeit02.shtml">Günter Blutke, Berlin 2009</a></sub></p>
<p><span id="more-194"></span>„Keine Macht für Niemand!“, diese Losung propagierten einige Anarchisten aus Weimar auf der historischen Demo in Ostberlin am 4. November 1989 auf einem bettlakengroßen schwarzen Tuch. Auf einem weiteren Spruchband forderten sie die „Veröffentlichung sämtlicher Werke von M. Bakunin und Erich Mühsam“. Anarchisten sind Büchermenschen und das macht die Forderung der ostdeutschen Anarchisten plausibel. Andere Demonstranten forderten: „Die Ostsee frei für Surfer und Segler!“. Jeder forderte das, was er sich am sehnlichsten wünschte.</p>
<p>Die Losung „Keine Macht für niemand!“ trifft allerdings den anarchischen Kern der friedlichen Revolution in der DDR 1989/90. Denn noch ehe die bundesrepublikanische Ordnung auf dem Territorium der Ex-DDR zur neuen herrschenden Ordnung wurde, hatte die widerständische Gesellschaft der DDR-Bürger begonnen, ihr Leben selber zu organisieren. Mit grimmiger Entschlossenheit und auch heiter lachend setzte man die alten Gesetze de facto außer Kraft. Neue gab es noch nicht. Anarchie, also eine Ordnung ohne Herrschaft, war an der Tagesordnung. Plötzlich war machbar, was lange undenkbar schien: Man entmachtete Bürgermeister und Betriebsdirektoren, verweigerte Befehle, gründete Gegengewerkschaften, besetzte Geheimdienstzentralen, belagerte Kasernen und jagte die Stasi davon. Freie Schulen wurden gegründet und Gefangene, Journalisten, Matrosen und Soldaten organisierten sich in Räten.</p>
<h3><strong> Stell Dir vor, es ist Anarchie und kein Anarchist bekommt es mit!</strong></h3>
<p>Die Geschichte dieser anarchischen Basisbewegung innerhalb der friedlichen Revolution der DDR ist von der Linken in Westdeutschland so gut wie nicht wahrgenommen und reflektiert worden, und dieses Manko gilt auch für den Großteil der westdeutschen Anarchisten. Zu sehr stand die westdeutsche Linke unter dem Schock der sich anbahnenden staatlichen Wiedervereinigung Deutschlands. „Anarchie statt Deutschland!“ war die Forderung der westdeutschen Anarchisten. Dass gerade im anderen Teil Deutschlands die Anarchie ausgebrochen war, haben sie damals schlichtweg nicht mitbekommen. Stattdessen starrten sie entsetzt auf die „Bühne“ der innerdeutschen und internationalen Politik, auf der mit großem Tamtam die Wiedervereinigung Deutschlands inszeniert wurde, und konnten so nicht erkennen, was sich unten im „Orchestergraben“ tat. Dort unten, wo die eigentliche Musik der revolutionären Veränderungen spielte, an der Basis der DDR-Gesellschaft, bildeten sich in den Monaten nach dem Zusammenbruch des alten SED-Regimes eine Vielzahl von freien Initiativen und Organisationen heraus, für die die Ablehnung von Macht und Hierarchien durchaus typisch war. „Wir waren alle ausgesprochen machtmufflig“, erinnert sich der Physiker und Bürgerrechtler Sebastian Pflugbeil.<a name="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> Dass diese anarchische Tendenz der friedlichen Revolution in der DDR von den meisten West-Anarchisten nicht wahrgenommen wurde, ist eine Ironie der Geschichte. Aber so ist das: Anarchisten sind Experten für Anarchismus, nicht jedoch Experten für Anarchie.</p>
<p>Als in der Zeit des Zusammenbruchs des DDR-Regimes die staatlichen und betrieblichen „Leitungskader“ nicht mehr das Rückgrat hatten, noch irgendeine Entscheidung zu fällen, da entschied man eben selber – als Einzelner und in der Gruppe. Was sollte man machen. Irgendwie musste es weitergehen, und Anarchie als Ordnungsprinzip entsteht quasi von selbst. Dabei erlebte man, dass man sich durchaus ohne neue Chefs organisieren und ohne hierarchische Entscheidungsstrukturen erfolgreich die Dinge umsetzen konnte, die man für sinnvoll hielt.</p>
<p>Diese Anarchie der Umbruchzeit war eine beeindruckende Erfahrung, die bei allen, die sich damals in den entstehenden Freiräumen engagiert haben, starke und überwiegend positive Erinnerungen hinterlassen hat. „Damals waren ja alle total wuselig und ununterbrochen unterwegs“, erinnert sich die Schauspielerin Jutta Wachowiak, die zu den Initiatoren der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz gehörte. „Man wusste ja überhaupt nicht, wo oben und unten ist und wo zuerst anfangen und als Letztes aufhören. Das war ja wirklich äußerst intensiv und turbulent. Man begriff, das ist hier Geschichte, und dann fühlte es sich aber doch irgendwie so normal an. Also das war ein seltsames Gemisch damals.“<a name="_ftnref2" href="#_ftn2">[2]</a></p>
<h3><strong> Rätedemokratie beim Rundfunk der DDR</strong></h3>
<p>Nahezu alle Bereiche der Gesellschaft und Wirtschaft der DDR wurden im Herbst 1989 von dieser Anarchie erfasst. So auch der Rundfunk der DDR, der ebenso wie die Presse des Landes dem SED-Regime als „kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator“ gedient hatte. Wer in der DDR Journalist werden sollte, das hatte bis in den Herbst 1989 hinein die Partei bestimmt. Das Klima in den meisten Redaktionen war schlecht. Es herrschten die Bräuche von Unterwerfung und Anpassung, ständig lauerte das Misstrauen, immerfort gab es die Bereitschaft zur Denunziation: Dies nannte sich Wachsamkeit und galt als revolutionäre Tugend. Im Redaktionsalltag gab es keinen Raum für ein individuelles Hinterfragen der Arbeit. So verwundert es nicht, dass die DDR nicht einmal eine amtliche Zensurbehörde brauchte. Die &#8220;Schere in den Köpfen&#8221; der Journalisten und Publizisten arbeitete weitgehend automatisch und im Sinne der Systemerhaltung fast perfekt.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund waren die Veränderungen erstaunlich, welche im Herbst 1989 beim Rundfunk der DDR stattfanden. Am 11. November 1989, eine Woche nach der großen Demonstration vom 4. November auf dem Alexanderplatz, bei der von fast allen Rednern eine deutlich andere Medienpolitik gefordert worden war, trat das staatliche Rundfunkkomitee geschlossen zurück. Da auch der Ministerrat vier Tage zuvor zurückgetreten war, sollte die neu zu bildende Regierung über die neuen Leitungsstrukturen im Rundfunk entscheiden. Bis dahin aber existierte beim Rundfunk eine Art Doppelherrschaft, die, da niemand die Macht ausüben wollte, genaugenommen ein Machtvakuum war. Zwar bezogen die alten Intendanten und Redaktionsleiter weiter ihre Gehälter, aber sie erschienen teilweise nicht mehr zum Dienst oder verweigerten die „Abnahme“ von Sendebeiträgen. So bildeten sich auch beim Rundfunk spontan Räte, die als Redakteursräte den Mediengiganten mit seinen rund 3.700 Mitarbeitern in fünf Sendern monatelang erfolgreich managten. Der Regisseur und ehemalige Kameramann Peter Hill erinnert sich: „Bedingung war, dass keine SED-Funktionäre und früheren Chefs dabei sein durften. Jeder konnte sich einbringen, wenn ihn denn die Kollegen akzeptierten und in den Redakteursrat wählten. Dort wurden dann die Themen ausgewählt und Programme verabredet, anschließend informierten wir die Intendanten und Chefredakteure darüber.“<a name="_ftnref3" href="#_ftn3">[3]</a></p>
<p>Die Initiative zur Gründung der Redakteursräte im DDR-Rundfunk ging von der Hauptabteilung Außenpolitik aus, wo man schon immer etwas weltoffener war. Es folgte das Jugendradio DT 64, wohingegen in der „Stimme der DDR“ mancher noch glaubte, ein „gutes“ Bild vom Lande nach außen vermitteln zu müssen und vieles spürbar langsamer lief.</p>
<p>Nach und nach bildeten sich in allen größeren Bereichen des DDR-Rundfunks derartige Räte, die sich untereinander vernetzen und einen informellen Rat der Räte bildeten. Als am 1. Dezember 1989 trotz mancher Proteste der bisherige Chefredakteur der Hauptabteilung Nachrichten, Manfred Klein, von der neu berufenen Modrow-Regierung zum Generalintendanten des Rundfunks ernannt wurde, blieb diesem nichts anderes übrig, als die in der Zwischenheit entstandenen Redakteursräte zu akzeptieren und in sein Leitungskonzept zu integrieren. Ab dem 4. Dezember 1989 fanden schließlich in allen Sendern offizielle Wahlen zu den Redakteursräten statt, die die Direktion als „Organe der Mitbestimmung und Kontrolle“ anerkennen musste. Die Redakteursräte gaben sich selbst ihr Statut und ihre Wahlordnung. Am Aufbau neuer Hierarchien hatte zu dieser Zeit niemand Interesse: „Innerhalb des zwölfköpfigen Redakteursrates wollte niemand den Vorsitz übernehmen. Von Vorsitzenden hatten wir endgültig genug“, erinnert sich Peter Hill. „Wir haben dann einen Sprecher gewählt, das wurde Michael Bajohr, Redakteur in der Politikredaktion. Ich wurde zunächst Sekretär und übernahm später die Öffentlichkeitsarbeit, um interessierte Kollegen vor allem der Westberliner und westdeutschen Presse zu informieren, die sich zu dieser Zeit sehr dafür interessierten, was bei uns abging.“ <a name="_ftnref4" href="#_ftn4">[4]</a></p>
<p>Für die Publizistik der DDR war die Zeit zwischen November 1989 und Oktober 1990 sicherlich die wohl spannendste Periode ihrer Geschichte. Plötzlich konnte auch in den DDR-Medien über Umweltvergiftungen und Amtsmissbrauch, ja eigentlich über ALLES, geredet werden. Man probierte neue Sendeformen und Formate. Heiner Noske, damals Mitglied der Wissenschaftsredaktion des DDR-Rundfunks, erinnert sich an die Aufbruchsstimmung jener Tage:</p>
<blockquote><p>„Wir haben in der Folgezeit dann wirklich Neuland beschritten und unsere journalistischen Freiräume genutzt. An Themen war kein Mangel. Zu viel war viel zu lange ausgeblendet gewesen. Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte, gab es kein kritisches Hinterfragen des gesellschaftlichen Lebens. Nun stand hinter der scheinbar auf Ewigkeit gepachteten Führungsrolle der SED ein dickes Fragezeichen, auch über den ‚Abschied vom Proletariat‘ konnte laut nachgedacht werden. Und zu den Ursachen der geringen Produktivität der DDR-Wirtschaft äußerten sich Wissenschaftler in unseren Sendungen. Nachdem am 2. Februar die Stimme der DDR in Deutschlandsender zurückbenannt worden war und damit auch die alten Leitungskader endgültig verschwanden, brachen nahezu paradiesische Zeiten an. Es gab keinen Anpassungsdruck mehr nach oben, wir entschieden in gemeinsamer Diskussion, ohne uns zu zerstreiten. Viele westdeutsche Kollegen kamen damals regelmäßig zu uns und boten ihre Mitarbeit an, auch wenn es nur DDR-Geld dafür gab. Eine solche Atmosphäre ohne oben und unten erträumten sich viele wohl auch für ihre Heimatsender.“<a name="_ftnref1" href="#_ftn5">[5]</a></p></blockquote>
<h3><strong> Das Ende der Wende</strong></h3>
<p>Angesichts der politischen Rolle, welche die Medien der DDR bei der Stabilisierung des SED-Regimes gespielt hatten, ist es nicht verwunderlich, dass die radikalen Veränderungen, die sich im Herbst 1989 auch in den DDR-Medien vollzogen, bisweilen von einer seltsamen Mischung aus Engagement und Opportunismus getragen wurden. Der systemkritische Schriftsteller Rolf Schneider, einstmals Redakteur der kulturpolitischen Zeitschrift &#8220;Aufbau&#8221; in Berlin, erinnert sich an die Irritationen, die dieser Wendezeit-Journalismus bei nicht wenigen Zeitgenossen auslöste: „So manche Stimme, die jetzt den Aufbruch in die Demokratie bejubelte, hatte man noch deutlich im Ohr: von ergebenen Kommentaren zum letzten SED-Parteitag oder zu einem anderen staatstragenden Begängnis“. Eine selbstkritische Beschäftigung mit der eigenen Rolle blieb eher die Ausnahme. „Die meisten entsannen sich lieber des einen oder anderen Textes ihrer Feder, den der Chefredakteur einmal aussortiert hatte, aus Platzgründen, und der sich nun als Ausweis für Unbotmäßigkeit, Widerstand und Verfolgung anbot.“ <a name="_ftnref6" href="#_ftn6">[6]</a></p>
<p>Doch der „kurze Winter der Anarchie“ in der DDR ging schon bald seinem Ende entgegen. Spätestens nach dem Wahlsieg der konservativen „Allianz für Deutschland“ am 18. März 1990 und der Bildung der Regierung de Maizière einen Monat später waren die Weichen auf den zügigen „Beitritt“ der DDR zur Bundesrepublik Deutschland umgestellt. Der im Wahlergebnis von großen Teilen der Bevölkerung artikulierte Wunsch nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde von der politischen Führung beider deutscher Teilstaaten so interpretiert, dass das westliche System auf den östlichen Teil auszudehnen und DDR-Spezifisches weitestgehend zu eliminieren sei. Dies galt auch für die Umgestaltung der Medien, in denen sich allmählich wieder traditionelle Macht- und Leitungsstrukturen herausbildeten. Das von der Regierung de Maizière neu geschaffene Medienministerium wurde nun wieder rein politisch und nicht nach Kriterien der Sachkompetenz besetzt.</p>
<p>Im Zuge der Verhandlungen um die deutsche Einheit zeichnete sich bald ab, dass es eine gemeinsame Rundfunkanstalt für die neu zu bildenden ostdeutschen Länder nicht geben würde. Zu groß waren die politischen Unterschiede zwischen den Nord- und Südregionen. Also lief alles auf eine Abwicklung des DDR-Rundfunks hinaus. Hunderte Entlassungen standen an, und unter den Rundfunk-Mitarbeitern breitete sich Zukunftsangst aus. Plötzlich war die Stimmung in den Redaktionen wieder mies. Die Wende von der Wende war gekommen, und die im Herbst 1989 begonnenen radikalen Demokratisierungs- und Umgestaltungprozesse wurden nicht mehr fortgesetzt. Fortan wurden die Entscheidungen nicht mehr von Bürgerbewegungen, Demonstranten, Runden Tischen und Räten gefällt, sondern zunehmend hatten die zahlreich gen Osten reisenden westlichen Berater aus Politik und Wirtschaft das Sagen. Die hatten natürlich kein Interesse an Verhandlungen mit basisdemokratisch organisierten Räten, sondern waren eher auf herkömmliche Führungsstrukturen und Führungspersonen fixiert, so dass manch einer der bereits ausgemusterten Kader des alten Systems mit ihrer Hilfe in der Nachwendezeit zu einer neuen Karriere als Politiker oder Manager durchstarten konnte.</p>
<h3><strong> Was lehrt uns das?</strong></h3>
<p>Anarchie im Sinne einer sozialen Ordnung ohne Herrschaft ist ein empfindliches Gewächs. Anarchie benötigt den sozialen Konsens, und sie gedeiht dementsprechend schlecht in einem Klima von Macht und Gewalt, wie es für die meisten Revolutionen in der Vergangenheit bislang typisch gewesen ist. Selbst dort, wo erklärte Anarchisten wie in Russland (1917-1921) oder in Spanien (1936-1939) im Zuge revolutionärer Geschehnisse versucht haben, ihre anarchistischen Gesellschaftsideale praktisch zu realisieren, war im Alltag von realer Anarchie als Praxis der Herrschaftslosigkeit sehr wenig zu verspüren. Stattdessen herrschte sowohl in Russland als auch Spanien ein erbittert geführter Bürgerkrieg, der von dem üblichen politischen Terror aller Bürgerkriegsparteien begleitet wurde. Mit Anarchie im positiven Sinne hatte das, was in den Revolutionen in Russland und Spanien geschah, denkbar wenig zu tun.</p>
<p>Es zeichnet die Frauen und Männer der Revolution 1989/90 in der DDR aus, dass sie die Selbstbefreiung von 16 Millionen Menschen aus der Diktatur des SED-Regimes mit friedlichen Mitteln ermöglicht haben. Keine Erschießungskommandos, keine Arbeitslager, keine anderen Versuche, mit Macht und Gewalt die politischen Verhältnisse zu ändern. Dadurch hat die friedliche Revolution in der DDR vielleicht weit mehr als die historischen revolutionären Gesellschaftsexperimente der Anarchisten bewiesen, dass Anarchie durchaus eine funktionsfähige Alternative zu den in Ost und West etablierten Ordnungssystemen sein kann. Die Erfahrung, dass man das Leben ohne Chefs und ohne ein System von Befehl und Gehorsam in freier Vereinbarung der Beteiligten organisieren kann, hat sich tief in die Erinnerung der meisten Revolutionsteilnehmer eingegraben. Und so finden sich zahlreiche Berichte von Zeitzeugen, in denen die Freude an der erlebten Anarchie zum Ausdruck kommt, so wie in der Erinnerung von Heiner Noske: „Wenn man sich heute mit ehemaligen Kollegen trifft, dann kommt sehr schnell die Sprache auf jene Zeit, in der alles möglich schien, in der wir die Freude selbstbestimmten Handelns erleben konnten. Das gibt es nicht so häufig im Leben. Viele von uns hat das nachhaltig geprägt.“ <a name="_ftnref7" href="#_ftn7">[7]</a></p>
<p>Jochen Schmück,<br />
Potsdam, 11. Februar 2010</p>
<h3><strong>Literaturempfehlung zum Thema</strong></h3>
<p><a rel="http://www.alibro.de/product_info.php/info/p5141_Das-wunderbare-Jahr-der-Anarchie.html" href="http://www.alibro.de/product_info.php/info/p5141_Das-wunderbare-Jahr-der-Anarchie.html" target="_blank"><img class="alignright size-full wp-image-224" src="http://www.anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2010/02/978-3861533337_Das_wunderba.gif" alt="Das wunderbare Jahr der Anarchie" width="190" height="303" /></a>Zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR 1989/90 ist im Ch. Links Verlag in zweiter Auflage das Buch „<a href="http://www.alibro.de/product_info.php/info/p5141_Das-wunderbare-Jahr-der-Anarchie.html">Das wunderbare Jahr der Anarchie. Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90</a>“ erschienen. Die Autoren Christoph Links, Antje Taffelt und Sybille Nitsche sind für das Buch ein Jahr lang durch die Ex-DDR gereist und haben vor Ort mehr als vierzig authentische Geschichten gesammelt, die vom Widerspruchsgeist und Aufbegehren ostdeutscher Frauen und Männer und von den unerschrockenen Konfrontationen mit der Staatsmacht in den letzten Monaten des SED-Regimes erzählen. Die Alltagsgeschichte der aus einem politischen Machtvakuum im Zuge der friedlichen Revolution in der DDR spontan entstandenen Anarchie ist noch weitgehend unerforscht geblieben. Die in „Das wunderbare Jahr der Anarchie“ gesammelten Berichte sind deshalb nicht nur spannend zu lesen, sie machen auch Lust, sich intensiver mit dieser Geschichte zu beschäftigen.</p>
<p>Dieser Beitrag wurde für die im März 2010 erscheinende Ausgabe der Zeitschrift <a href="http://www.espero-versand.net/">Espero &#8211; Forum für libertäre Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung</a> verfasst.</p>
<hr size="1" /><a name="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> Sebastian Pflugbeil. Das Vergehen eines Ministers, in: Christoph Links, Sybille Nitsche und Antje Taffelt: Das wunderbare Jahr der Anarchie. Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90. Berlin: Ch. Links Verlag, 2009 (2. Aufl.), S. 135.<br />
<a name="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Zit. nach Matthias Eckoldt: Zeit der Träume. Die DDR Anfang November 1989, Sendung „MerkMal“vom 8.11.2004 im Deutschlandradio Berlin. Direktlink zum Sende-Mskr.: <a href="http://www.dradio.de/dlr/sendungen/merkmal/319024/">http://www.dradio.de/dlr/sendungen/merkmal/319024/</a>.<br />
<a name="_ftn3" href="#_ftnref3">[3]</a> Zit. in Christoph Links: Redakteursräte und Doppelherrschaft, in: Das wunderbare Jahr der Anarchie, o.a.O., S. 75.<br />
<a name="_ftn4" href="#_ftnref4">[4]</a> Zit. in ebd., S. 76.<br />
<a name="_ftn5" href="#_ftnref5">[5]</a> Zit. in ebd.<br />
<a name="_ftn6" href="#_ftnref6">[6]</a> Rolf Schneider: In der Nische. Wie Ostdeutschlands Journalisten die Wende überlebten, Spiegel Special 1/1995: Die Journalisten, S. 85.<br />
<a name="_ftn7" href="#_ftnref7">[7]</a> Zit. in Christoph Links: Redakteursräte und Doppelherrschaft, in: Das wunderbare Jahr der Anarchie, o.a.O., S. 77.</p>
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		<title>Let&#8217;s Wiki!</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Feb 2009 22:29:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anarchie 3.0]]></category>
		<category><![CDATA[Anarchie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitaler Maoismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Wikis]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Erfolgsgeschichte der Wikipedia zeigt, welch enormes sozialpolitisches Potential in den kollaborativen Medien steckt. Aber die Wikipedia repräsentiert nicht das Wiki-Prinzip an sich, sondern sie ist nur eine von vielen möglichen Interpretationen. Wikis sind offene Systeme, deren Regeln von denen festgelegt werden, die sie nutzen. Nach meiner Erfahrung funktionieren Wikis immer dann gut, wenn sie von einer kleinen und engagierten Community getragen werden, deren Mitglieder sich persönlich kennen, und die einen Konsens über den Umgang untereinander erlangt haben. Freiheit kann nur dort existierten, wo sie vom Geist der persönlichen Verantwortung getragen wird.

Das Wiki-Prinzip wird unsere Welt verändern. Und dies gilt nicht nur für die Art und Weise, wie wir Informationen sammeln und uns mit anderen abstimmen. Wikis geben uns die Möglichkeit, neue praktische Erfahrungen in der sozialen Selbstorganisation zu machen, die auch außerhalb des Cyberspace Sinn machen. Nutzen wir diese Chance: Let's Wiki!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Web 2.0 wird zumeist mit „Mitmach-Internet&#8221; übersetzt. Das ist nicht falsch. Aber diese Interpretation des Web 2.0 greift beim Wiki-Prinzip zu kurz. Denn Wikis sind weit mehr als bloße Mitmach-Einrichtungen. Ihr eigentliches Potential ist es, dass sie Freiräume für die selbstorganisierte Zusammenarbeit von Menschen bieten. Wikis sind Labore, in denen neue Formen der Organisation von Arbeit und Wissen erprobt und gestaltet werden.</strong></p>
<div class="img size-medium wp-image-49 alignright" style="width:300px;">
	<a href="http://anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2009/02/flickrcom_photos_zordroyd_369530358_small.jpg"><img src="http://anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2009/02/flickrcom_photos_zordroyd_369530358_small-300x225.jpg" alt="Der Wiki-Wiki-Schnellbus in Honolulu" width="300" height="225" /></a>
	<div>Der Wiki-Wiki-Schnellbus in Honolulu und Namensgeber des Wiki-Prinzips</div>
</div>
<p>Das erste echte Wiki, das WikiWikiWeb, wurde am 25. März 1995 von dem US-amerikanischen Softwareentwickler Ward Cunningham ins Internet gestellt. Cunningham benannte das Konzept der„schnellen&#8221; Webseiten, die von jedem Besucher verändert werden können, nach dem Schnellbus „Wiki-Wiki&#8221; auf dem hawaiianischen Flughafen Honululu.</p>
<p><span id="more-29"></span>Der Erfolg des Wiki-Prinzips ist eng mit dem Erfolg der weltweiten Open-Source-Software-Bewegung verbunden. Schon bald nach der Inbetriebnahme des WikiWikiWeb entstanden erste Klone der Software und Wikis wurden zu einem populären Online-Tool in der Szene rund um die Freie Software. Gerade für Projekte, die auf der Arbeit von Freiwilligen basierten und nicht von oben her gemanagt wurden, erwiesen sich Wikis als ein ideales Tool zur Planung und Steuerung des gemeinschaftlichen Vorhabens.</p>
<p>Den Durchbruch zu einem Massenmedium erlebte das Wiki-Konzept durch die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Im Januar 2000 hatten die beiden US-Amerikaner Larry Sanger und Jimmy Wales die Nupedia, das erste Projekt zum Aufbau einer Online-Enzyklopädie, gestartet. Doch diesem Projekt war zunächst kein Erfolg beschieden, da der Prozess der Artikelproduktion sehr bürokratisch angelegt war. Die Artikel wurden von motivierten und fachkompetenten Freiwilligen verfasst, deren Texte vor Veröffentlichung einen komplizierten Prozess von Faktenprüfung, Lektorat und redaktioneller Finalisierung überstehen mussten. Dadurch hatten die Nupedia-Artikel zwar eine sehr hohe Qualität, aber das Projekt selbst wuchs sehr langsam.</p>
<p>Im Januar 2001 machte Larry Sanger den Vorschlag, ein Wiki nach Art des WikiWikiWeb als eine Art digitaler „Schmierzettel&#8221; für die Nupedia-Autoren einzurichten. Die unter der Domain wikipedia.com ins Internet gestellte Wiki-Plattform zog zur Überraschung der Nupedia-Redaktion viele neue Autoren an, die gar kein Interesse an der Nupedia selbst hatten. Das Projekt entwickelte eine starke Eigendynamik, die schließlich zur Einstellung der Nupedia und zum legendären Erfolg der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia führte. Bis Ende des Jahres 2001 verfügte die Wikipedia bereits über 20.000 Artikel und erschien in 18 Sprachen. Inzwischen<a name="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> erscheint die Wikipedia in 260 Sprachversionen<a name="_ftnref2" href="#_ftn2">[2]</a> und allein die englischsprachige Ausgabe beinhaltet über 2.700.000 Artikel (im Vergleich dazu verfügt die Onlineversion der renommierten Encyclopædia Britannica z.Z. über 120.000 Artikel).</p>
<p>In den Folgejahren wurde eine Vielzahl neuer Webportale auf Wiki-Basis gegründet. Das Wiki-Konzept wurde an verschiedene Arten von Texten angepasst, um auch nicht-enzyklopädischen Inhalten gerecht zu werden. Als Schwesterprojekte der Wikipedia erschienen z.B. Wikinews, Wiktionary, Wikibooks, Wikisource, Wikiquote und Wikispecies. Inzwischen gibt es Wikis zu jedem nur denkbaren Thema: Angefangen von „<strong>A</strong>&#8221; wie <a href="http://www.ameisenwiki.de">Ameisenwiki.de</a>, das über die Biologie von Ameisen informiert, über das <a href="http://dadaweb.de">DadAWeb.de</a>, dem Portal der deutschsprachigen Anarchie- und Anarchismusforschung, die Wikipedia-Parodie <a href="http://kamelopedia.mormo.org">Kamelopedia</a>, die <a href="http://Podopedia.de">Podopedia.de</a>, die Enzyklopädie der medizinischen Fußpflege, bis hin zu „<strong>Z</strong>&#8220;, wie <a href="http://wiki.zum.de">ZUM-Wiki</a>, einer offenen Plattform für Lehrinhalte und Lernprozesse.</p>
<h3>Die regulierte Anarchie der Wikis</h3>
<p>Innerhalb der neuen webbasierten Medien ist das Wiki eine ideale Ergänzung zum Blog. Während das Blog (zumeist) die unbearbeitete, eigensinnige Stimme einer Einzelperson zum Ausdruck bringt, macht das Wiki als Medium eher für Gruppen Sinn. Die meisten Wikis sind Arbeitsgemeinschaften von Freiwilligen. Gemeinschaft basiert auf Vertrauen, und Vertrauen ist am ehesten vorhanden, wenn die Beteiligten einander kennen und für ihre Beiträge persönlich verantwortlich sind.</p>
<p>Natürlich sind in einem offenen System wie einem Wiki Konflikte der Benutzer wegen Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert. Dementsprechend haben in allen Wikis die Fragen der Konfliktlösung einen hohen Stellenwert. Mit den herkömmlichen Methoden der Konfliktlösung kommt man in einem Wiki nicht sehr weit. In einem Wiki gibt es eben keine zentrale Instanz, die durch ein Machtwort für „Ordnung&#8221; sorgen kann. Wikis sind im Prinzip dezentrale und nicht-hierarchische Einrichtungen. Es gibt zwar Administratoren und Sysops, die sich vor allem um die technische und inhaltlich-strukturelle Pflege des Wikis kümmern, die auch die Möglichkeit haben, Benutzer zu sperren. Aber eine Benutzer-Sperrung durch einen Administrator erfolgt erst dann, wenn der Konflikt nicht innerhalb der Autoren-Community selbst z.B. mit dem Mittel der Diskussion gelöst werden kann.</p>
<p>Rein technisch betrachtet ist das Wiki keine allzu originelle Erfindung. Das eigentliche Potential des Wikis liegt im sozialen Bereich. Das Wiki bringt Menschen dazu, sich Gedanken über Methoden der sozialen Selbstorganisation zu machen. Wikis sind deutlich mehr als bloße Mitmach-Einrichtungen nach Art der Freien Radios, die wie in Italien ab Mitte der 1970er Jahren mit dem Mittel des „offenen Mikrofons&#8221; versuchten, eine Gegenöffentlichkeit gegenüber den etablierten Medien zu schaffen. Wikis sind Medium und Organisationsplattform zugleich. Sie geben den Menschen die Möglichkeit, in freier Übereinstimmung kollektiv tätig zu werden und dabei über die Art und Weise ihrer Zusammenarbeit selbst zu entscheiden. Das macht Wikis zu einem sozialen Labor, in dem neue Formen der Organisation von Arbeit und Wissen erprobt und gestaltet werden können.</p>
<p>Wikis können durchaus als zeitgenössisches Beispiel für eine gelebte Anarchie (im Sinne von Ordnung ohne Herrschaft) betrachtet werden. Ähnlich wie die regulierten Anarchien unserer vorstaatlichen Vorfahren sind auch die Wiki-Communities unserer Tage auf die freie Übereinstimmung ihrer Mitglieder zur Einhaltung der gemeinschaftlich erarbeiteten Regeln angewiesen. Die meisten Web-Communities regeln den Umgang ihrer Mitglieder über eine sogenannte Netiquette (Kunstwort aus engl. <em>net</em> &#8211; Netz und <em>etiquette</em> &#8211; Etikette).  Dort, wo keine Zwangsmechanismen eines auf Befehl und Gehorsam basierenden Ordnungssystems existieren, wirkt der moralische Appell und die soziale Sanktion &#8211; und das zumeist sogar mit ganz beachtlichem Erfolg.</p>
<p>In Wikis, die keine Zugangsbeschränkung kennen und anonyme Beiträge ermöglichen, kommt es gelegentlich zu sogenannten „Edit-Wars&#8221; (wörtlich: Bearbeitungskriegen), wenn zwei oder mehrere Benutzer abwechselnd die Änderungen des jeweils anderen Benutzers rückgängig machen („revertieren&#8221;) oder überwiegend überschreiben, in der Hoffnung, dass der andere irgendwann aufgibt. Dieses Verhalten wird allgemein als asozial abgelehnt, und in den meisten Wikis gibt es Regeln, die dieses Verhalten verbieten und die streitenden Benutzer auf die Diskussionsseite verweisen.</p>
<p>Ein Dauerstreitthema ist in der Wikipedia die Frage der Neutralität von Artikeln. Um zu verhindern, dass Nutzer die Wikipedia für weltanschauliche oder politische Propaganda missbrauchen, wurde für alle Wikipedias die Regel des neutralen Standpunkts („neutral point of view&#8221;, NPOV) als verbindliches Prinzip eingeführt. Danach soll ein Artikel so geschrieben sein, dass möglichst viele Autoren ihm zustimmen können. Wenn zu einem Thema mehrere verschiedene Ansichten existieren, dann soll der Artikel diese fair beschreiben, aber nicht selbst Position beziehen. Artikel, deren Neutralität umstritten ist, werden mit einem Neutralitätsvermerk versehen. In der Praxis wird natürlich heftig darüber gestritten, was „allgemein anerkannt&#8221; ist, und welcher Standpunkt an welcher Stelle im Artikel, wenn überhaupt, erwähnt werden soll. Gerade bei kontroversen Themen ist die Einhaltung des neutralen Standpunktes häufig ein mühevoller sozialer Prozess von nicht enden wollenden Diskussionen, der nicht immer von Erfolg gekrönt ist.</p>
<p>Doch das Neutralitäts-Modell der Wikipedia ist nur eine Variante, das Wiki-Prinzip praktisch umzusetzen. Einen anderen Weg geht beispielsweise das ebenfalls auf einer Wiki-Plattform publizierte <a href="http://lexikon-der-anarchie.de">Lexikon der Anarchie</a>, das bewusst darauf verzichtet, unterschiedliche Standpunkte im Prozess einer kollektiven Konsensbildung miteinander in Einklang zu bringen. Vielmehr begegnet man dem Problem umstrittener Themen und Artikel dort wie folgt:</p>
<blockquote><p>„Was wir nicht haben möchten, ist den Streit um die &#8220;richtige Sicht&#8221; der Dinge innerhalb unserer Beiträge, wie das bei Public-Domain-Publikationen leider häufig der Fall ist. Wer eine andere Sicht hat, soll eben einen eigenen Beitrag zum Thema schreiben, ganz im Sinne der Devise: Zu jedem Beitrag eine/n AutorIn und zu jeden Thema so viele AutorInnen, wie es unterschiedliche Sichtweisen gibt. Das ist das Sympathische am Anarchismus: Wir müssen uns nicht auf die eine verbindliche Sicht der Dinge einigen. Denn die anarchistische Art, die Dinge zu sehen, ist die Perspektive der Vielfalt.&#8221;<a name="_ftnref3" href="#_ftn3">[3]</a></p></blockquote>
<p>Ähnlich wie bei der Wikipedia gibt es auch im Lexikon der Anarchie zu jedem Artikel eine Diskussionsseite, auf der sich die Debatte der unterschiedlichen Meinungen zum Thema entfalten kann.</p>
<div class="img size-medium wp-image-56 alignleft" style="width:300px;">
	<img src="http://anarchie-drei-null.de/wp-content/uploads/2009/02/debatograph-300x298.png" alt="Der &quot;debatograph&quot;" width="300" height="298" />
	<div>Der &quot;debatograph&quot; und die aktuelle Diskussion über die Ursachen des Gaza-Konfliktes</div>
</div>
<p>Ganz ins Zentrum gestellt wird die Debatte der unterschiedlichen Meinungen und Standpunkte durch den (bislang nur in englischer Sprache existierenden) „Debattographen&#8221; (<a href="http://debategraph.org" target="_blank">debategraph.org</a>). Ziel dieses Debatten-Visualisierung-Tools auf Wiki-Basis ist es, die gegensätzlichen Argumente einer Debatte möglichst vollständig für die öffentliche Diskussion zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden die Argumente einer Debatte nicht nur immer wieder in Frage gestellt, sondern die Argumentation selbst gewinnt auch an Tiefe, was der Diskussionskultur zugute kommen soll.</p>
<p>Wikis sind offen für alle möglichen Ordnungsysteme. Selbst totalitäre Systeme sind vorstellbar. Die kreativsten Wikis sind aber mit Sicherheit diejenigen, deren Mitglieder ein Maximum an individueller Freiheit genießen und sich dabei ihrer persönlichen Verantwortung für die Gemeinschaft bewusst sind.<!--more--></p>
<h3>Weisheit der Massen oder Digitaler Maoismus?</h3>
<p>In der Wiki-Welt ist die Ansicht recht häufig verbreitet, dass es kaum ein Problem gibt, das nicht durch den kollektiven Prozess der Einflussnahme seiner Teilnehmer korrigiert werden kann. Dieses Vertrauen in die „Weisheit der Massen&#8221; oder in die &#8220;Schwarmintelligenz&#8221; geht bis hin zur Vision des Internets als einem „globalen Gehirn&#8221;, in dem jeder Mensch eine Nervenzelle ist. Vergleichbar mit einem Bienenschwarm oder einem Ameisennest würde das Kollektiv eine &#8220;höhere Intelligenz&#8221; hervorbringen, die ein Einzelner der Gruppe nie in dieser Qualität entwickeln könnte.</p>
<p>Gegen diese Auffassung, die mit dem Aufkommen des Web 2.0 selbst in Wissenschafts- und Wirtschaftskreisen zahlreiche Anhänger gefunden hat, regt sich mittlerweile vermehrt Widerspruch. Einer der prominenten Kritiker dieser „Schwarmgeist-Philosophie&#8221; ist ausgerechnet Larry Sanger, der seinerzeit die Idee zur Nutzung des Wiki-Prinzips für die Nupedia hatte und damit die entscheidenden Weichen für den Erfolg der Wikiedpia gestellt hat. In Opposition zur Wikipedia gründete Sanger 2006 das <a href="http://en.citizendium.org/">Citizendium</a> (the Citizens&#8217; Compendium = Bürgerkompendium), ein neues wiki-basiertes Enzyklopädie-Projekt, das sich eher an herkömmlichen editorialen Standards orientiert und in dem die Autoren mit ihren Realnamen publizieren. An der Wikipedia kritisierte Sanger vor allem deren mangelnde Zuverlässigkeit und den bisweilen recht rüden Umgang der Wikipedianer untereinander.</p>
<p>Zu einer grundsätzlich kritischen Einschätzung der „Schwarmintelligenz&#8221; kommt der Internet-Pionier Jaron Lanier in seinem 2006 veröffentlichten Aufsatz &#8220;Digitaler Maoismus&#8221;:</p>
<blockquote><p>„Es ist gut zu verstehen, was den Trugschluss des Kollektivismus für große Organisationen so attraktiv macht: Wenn es ein unfehlbares Grundprinzip gibt, müssen die Einzelnen keine Risiken eingehen und keine Verantwortung übernehmen. Das passt zu den enormen Unsicherheiten und der geradezu pathologischen Angst vor Verantwortung in unserer Zeit. Gleichzeitig müssen wir in Institutionen funktionieren, die keiner Führungskraft mehr verpflichtet sind. Jeder Einzelne, der Angst davor hat, innerhalb seiner Organisation das Falsche zu sagen, kann sich deswegen immer auf der sicheren Seite wähnen, solange er sich hinter einem Wiki oder ähnlichen Ritualen von Meta-Aggregaten verstecken kann.</p>
<p>Nun ist das Kollektiv nicht von Natur aus dumm. Weil die Höhe- und Tiefpunkte seiner Intelligenz nicht die gleichen sind wie bei Individuen, kann es sogar sehr wertvoll sein. (&#8230;) Das Kollektiv kann immer dann Klugheit beweisen, wenn es nicht die eigenen Fragestellungen definiert; wenn die Wertigkeit einer Frage mit einem schlichten Endergebnis, wie einem Zahlenwert festgelegt werden kann; und wenn das Informationssystem, welches das Kollektiv mit Fakten versorgt, einem System der Qualitätskontrolle unterliegt, das sich in einem hohen Maße auf Individuen stützt. Wenn nur eine dieser Vorgaben wegfällt, wird das Kollektiv unzuverlässig. Ein Individuum entwickelt dagegen ein Höchstmaß an Dummheit, wenn es mit umfangreichen Machtfunktionen ausgestattet und gleichzeitig von den Folgen seiner Handlungen abgeschirmt wird.&#8221;<a name="_ftnref4" href="#_ftn4">[4]</a></p></blockquote>
<p><strong> </strong></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Die Erfolgsgeschichte der Wikipedia zeigt, welch enormes sozialpolitisches Potential in den kollaborativen Medien steckt. Aber die Wikipedia repräsentiert nicht das Wiki-Prinzip an sich, sondern sie ist nur eine von vielen möglichen Interpretationen. Wikis sind offene Systeme, deren Regeln von denen festgelegt werden, die sie nutzen. Nach meiner Erfahrung funktionieren Wikis immer dann gut, wenn sie von einer kleinen und engagierten Community getragen werden, deren Mitglieder sich persönlich kennen, und die einen Konsens über den Umgang untereinander erlangt haben. Freiheit kann nur dort existierten, wo sie vom Geist der persönlichen Verantwortung getragen wird.</p>
<p>Das Wiki-Prinzip wird unsere Welt verändern. Und dies gilt nicht nur für die Art und Weise, wie wir Informationen sammeln und uns mit anderen abstimmen. Wikis geben uns die Möglichkeit, neue praktische Erfahrungen in der sozialen Selbstorganisation zu machen, die auch außerhalb des Cyberspace Sinn machen. Nutzen wir diese Chance: Let&#8217;s Wiki!</p>
<p>Jochen Schmück,<br />
Potsdam 7. Februar 2009<em><br />
</em></p>
<p>Dieser Beitrag wurde für das im März 2009 erscheinende Themenspecial &#8220;Web 2.0&#8243; der Zeitschrift<em> </em><a href="http://contraste.org">CONTASTE . Monatszeitung für Selbstorganisation</a><em> </em>verfasst.<em> </em></p>
<p><strong>Werblinks zum Thema</strong><em>:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uni-bamberg.de/kommunikation/news/wissenschaft/artikel/wikis-in-orgas/">Wiki nicht gleich Wikipedia</a>. Bamberger Forscher diskutierten Wikis in Organisationen (Uni-Bamberg News, 06.03.2009)</li>
</ul>
<hr size="1" /><a name="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> Alle in diesem Beitrag als aktuell bzw. als gegenwärtig bezeichneten Angaben stammen von Januar 2009.</p>
<p><a name="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite">deutschsprachige Wikipedia</a> wurde im März 2001 als erste weitere Sprachausgabe nach der englischsprachigen Ur-Wikipedia gegründet. Mit über 850.000 Artikeln ist sie heute nach der englischen die zweitgrößte Wikipedia-Ausgabe und damit vermutlich  auch das zweitgrößte Wiki der Welt.<br />
<a name="_ftn3" href="#_ftnref3">[3]</a> <a href="http://dadaweb.de/wiki/Lexikon_der_Anarchie_-_Projektbeschreibung">Projektbeschreibung des Lexikons der Anarchie</a> (Stand: 28.01.2009).<br />
<a name="_ftn4" href="#_ftnref4">[4]</a> Jaron Lanier: Digitaler Maoismus, Süddeutsche Zeitung, Nr.136, Freitag, den 16. Juni 2006, <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/422/405200/text/">Online-Version</a>.</p>
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		<title>Orchester ohne Dirigent</title>
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		<pubDate>Sun, 25 May 2008 15:12:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Orpheus Process]]></category>
		<category><![CDATA[Orpheus Prozess]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Orpheus Chamber Orchestra in New York ist nicht nur Musikliebhabern, sondern auch Wirtschaftswissenschaftlern ein Begriff. In einem normalen Orchester gibt allein der Dirigent den Ton an. Die Kreativität der einzelnen Musiker wird nicht gebraucht, sie müssen vielmehr das ausführen, was der Mensch mit dem Taktstock sich vorstellt. Im Orpheus Chamber Orchestra hat kein Dirigent [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das <strong>Orpheus Chamber Orchestra</strong> in New York ist nicht nur Musikliebhabern, sondern auch Wirtschaftswissenschaftlern ein Begriff.  In einem normalen Orchester gibt allein der Dirigent den Ton an. Die Kreativität der einzelnen Musiker wird nicht gebraucht, sie müssen vielmehr das ausführen, was der Mensch mit dem Taktstock sich vorstellt. Im Orpheus Chamber Orchestra hat kein Dirigent irgendetwas zu sagen &#8211; das Orchester hat ihn schlichtweg abgeschafft. Dafür ist die Meinung jeder Cellistin und jedes Hornbläsers gefragt.</p>
<p><span id="more-3"></span>Gegründet von dem Cellisten Julian Fifer und einigen anderen Hochschulabsolventen in der Zeit der Proteste gegen den Vietnamkrieg verfolgte das Orchester von Anfang an einen radikaldemokratischen Ansatz. Das führte dazu, dass für manche Stücke fast zwei dutzend Proben nötig waren &#8211; eine ökonomisch und nervlich auf Dauer nicht durchzuhaltende Arbeitsweise. Deshalb entwickelte das Orchester den &#8220;<strong>Orpheus-Prozess</strong>&#8220;, bei dem für jedes Stück Konzertmeister und Stimmführer neu festgelegt werden. Diese Gruppe erarbeitet das Konzept für Interpretation und Proben. Bei den abschließenden Proben setzen sich die Orchestermitglieder abwechselnd in den Konzertsaal, um Balance, Klangverschmelzung, Dynamik u.a. zu bewerten. Doch zum einen ist jede ihrer Entscheidungen immer wieder revidierbar, und zum anderen rotieren die Musiker in diesen Funktionen. Während der Proben wird diskutiert und ausprobiert, am Schluss aber dann klar entschieden. Schließlich soll nicht ein Kompromiss zur Aufführung kommen, sondern eine pointierte Interpretation, die in ihrer Art weltweit einzigartig ist.  Die Folge: Sowohl die Arbeitszufriedenheit als auch die musikalische Qualität sind im Orpheus Chamber Orchestra sehr hoch.</p>
<p>Von Unternehmensberatungen wird der &#8220;Orpheus Prozess&#8221; inzwischen auch als Magagementmethode für nicht-musikalische Teambildungs- und Konfliktlösungsprozesse propagiert. Im Mittelpunkt dieser Methode stehen die zehn Prinzipien des kooperativen Managements:</p>
<ol>
<li>Lege Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse in die Hände derer, die die Arbeit machen.</li>
<li>Ermutige die Mitarbeiter, sich persönlich für das Produkt und dessen Qualität verantwortlich zu fühlen.</li>
<li>Pflege und erhalte ein Teamwork, das sich auf persönliche Verantwortung stützt.</li>
<li>Sorge dafür, dass Führungsverantwortung geteilt wird und Führungsrollen wechseln.</li>
<li>Sorge für eine jeweils klare Rollenzuteilung innerhalb der Organisation.</li>
<li>Lerne zuzuhören; lerne, aus Überzeugung und mit Entschlossenheit zu sprechen.</li>
<li>Mache aus jedem Mitarbeiter einen Spezialisten und einen Generalisten.</li>
<li>Strebe nach exzellenter Leistung durch Konsensbildung und schaffe Strukturen, die Konsensbildung begünstigen.</li>
<li>Pflege und erhalte den Respekt für andere.</li>
<li>Sei leidenschaftlich bei der Sache.</li>
</ol>
<p>Die anarchischen Organisationsprinzipien des &#8220;Orpheus Prozesses&#8221; lassen sich in jeder kooperativen Organisation nutzbringend anwenden. Den dramatischen Unterschied zwischen der  traditionellen und der Methode des &#8220;Orpheus Prozesses&#8221; beschreibt Don Palma, eines der Gründungsmitglieder des Orchesters, wie folgt: <em></em></p>
<blockquote><p>&#8220;Ich hatte das Orpheus Orchester ganz am Anfang für ein Jahr verlassen und bin zu den Los Angeles Philharmonikern gegangen. Ich hasste es. Ich mochte es nicht, dass mir die ganze Zeit über gesagt wurde, was zu tun ist und ich so behandelt wurde, als sei ich nichts anderes als ein gehorsamer  Soldat, der dort zu sitzen hatte und nur das ausführen durfte, was ihm gesagt wurde. Ich fühlte mich machtlos und ich konnte die Dinge nicht beeinflussen, insbesondere dann nicht, wenn sie nicht gut liefen. Ich fühlte mich frustriert, und es gab nichts, was ich hätte machen können, damit die Dinge besser liefen. Orpheus dagegen hält mich in Schwung. Ich habe die Möglichkeit, die Richtung der Musik in einem gewissen Maße selber zu beeinflussen. Ich denke, dass ist der Grund, warum so viele von uns sich seit so langer Zeit an diesem Projekt beteiligen.&#8221;<em><br />
</em></p></blockquote>
<p>Jochen Schmück,<br />
Potsdam, 25. Mai 2008</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Literatur zum Thema</span>:</p>
<ul>
<li>Seifter, Harvey  und Economy, Peter: <em>Das virtuose Unternehmen</em>. Frankfurt/Main: Campus, 2001. 258 Seiten. ISBN-13: 978-359336902</li>
</ul>
<p><span style="text-decoration: underline;">Weblinks zum Thema:</span></p>
<ul>
<li><a class="external text" title="http://www.orpheusnyc.org" rel="nofollow" href="http://www.orpheusnyc.org/">Homepage des Orpheus Chamber Orchesters</a></li>
<li> <a class="external text" title="http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9500E7DB1E39F931A25751C1A964948260&amp;sec=&amp;spon=&amp;partner=permalink&amp;exprod=permalinkNew" rel="nofollow" href="http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9500E7DB1E39F931A25751C1A964948260&amp;sec=&amp;spon=&amp;partner=permalink&amp;exprod=permalinkNew">&#8220;An Orchestra that needs no Conductor&#8221;</a><span class="external text"> (Artikel in: The York Times, 12.12.1982)</span></li>
</ul>
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